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Materazzi gibt Provokation von Zidane zu

Rom/Paris (dpa) - 11.07.2006, 16:01 Uhr

Zinedine Zidane schlägt nach dem Platzverweis die Hände über dem Kopf zusammen.
Zinedine Zidane schlägt nach dem Platzverweis die Hände über dem Kopf zusammen.

Zwei Tage nach dem unrühmlichen Kopfstoß von Zinedine Zidane im WM-Finale hat der Italiener Marco Materazzi erstmals eine Provokation des französischen Superstars zugegeben.

«Er war unverschämt, da habe ich ihn beleidigt», sagte der 32 Jahre alte Verteidiger von Inter Mailand der «La Gazzetta dello Sport». «Ich habe Worte benutzt, die auf einem Fußballplatz ständig zu hören sind», sagte Materazzi. Trotzdem muss der Italiener eine Bestrafung fürchten.

Gegen Zidane, der seine Karriere mit dem WM-Finale beendet hat, eröffnete der Fußball-Weltverband FIFA eine «Disziplinaruntersuchung». Dabei könnte auch Materazzi als Sünder überführt werden. «Die FIFA wird die Umstände des Vorfalls genauestens klären», hieß es in einer Pressemitteilung.

Der Italiener betonte, dass Zidane mit dem Streit in der Verlängerung des Endspiels in Berlin angefangen habe. Nachdem er Zidane für wenige Sekunden am Trikot gehalten habe, habe der ihm von oben herab in unverschämter Art und Weise gesagt, «wenn du mein Trikot wirklich willst, bekommst du es nachher», berichtete Materazzi.

Weltweit wurde über den Auslöser des Zidane-Blackouts gerätselt. Lippenleser des brasilianischen TV-Senders Globo kamen zu dem Schluss, dass Materazzi die Schwester von Zidane zwei Mal als Prostituierte bezeichnet haben soll. In Großbritannien wurde in den Zeitungen «Times, «Sun» und «Daily Mail» übereinstimmend damit spekuliert, dass der Italiener zu seinem Gegenspieler Zidane gesagt haben soll: «Alle wissen, dass du der Sohn einer terroristischen Hure bist.»


Dies jedoch bestritt Materazzi. «Ich bin ein Ignorant, ich weiß nicht mal, was ein islamischer Terrorist ist», sagte er. «Für mich ist die Mutter heilig.» Die Italiener hatten sich im Elfmeterschießen gegen die Franzosen durchgesetzt und ihren vierten WM-Titel gewonnen.

In der 110. Spielminute hatte Zidane für seinen brutalen Kopfstoß die 14. Rote Karte seiner Karriere gesehen. Frankreichs Trainer Raymond Domenech, der im Amt bleiben wird, unterstellte Materazzi, gezielt auf Zidanes Platzverweis hingearbeitet zu haben. Bereits ehe er Opfer von Zidanes Attacke wurde, war Materazzi einer der Hauptdarsteller des Finals von Berlin. Erst verursachte er den umstrittenen und von Zidane in der siebte Spielminute verwandelten Elfmeter, dann glich er in der 19. Spielminute per Kopf mit seinem zweiten WM-Tor für Italien zum 1:1 aus.

Der Hinweis auf die Tätlichkeit sei vom vierten Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo gekommen. Der Spanier habe den Vorfall «ohne Zuhilfenahme eines Monitors» gesehen und den argentinischen Schiedsrichter Horacio Elizondo über die bestehende Funkverbindung informiert, teilte die FIFA mit.

Trotz seines unrühmlichen Abgangs war Zidane der Spieler, dem die Fans beim Empfang am Vortag am stärksten mit Rufen wie «Zizou à l'Euro» («Zizou zur Euro») zujubelte und den Kapitän der «Blauen» somit aufforderte, auch an den Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft 2008 teilzunehmen. In der Qualifikation trifft Frankreich unter anderem ausgerechnet auf Italien.

Staatspräsident Jacques Chirac drückte dem Vize-Weltmeister in Paris seine Bewunderung aus. Die ganze Nation zolle der Mannschaft Respekt, sagte das Staatsoberhaupt. Chirac tröstete Zidane mit den Worten, dass er ein «Genie des Weltfußballs», aber zugleich auch ein Mensch mit einem großen Herzen sei. Wegen seines Engagements und seiner Überzeugung bewundere und liebe ihn Frankreich.

Die Mehrheit seiner Landsleute hat Zidane nach einer Umfrage der Zeitung «Le Parisien» den Blackout schon verziehen. Riesige Zustimmung erfährt auch die Wahl Zidanes zum besten Spieler des Turniers. Dieser Entscheidung stimmten 78 Prozent zu. Trotz der Niederlage im Finale äußerten sich 61 Prozent zufrieden mit der Leistung der Nationalmannschaft. Auch in Spanien wird der zuletzt bei Real Madrid spielende Zidane hoch verehrt. Der 34-Jährige sei einer der Kandidaten für den spanischen «Sport-Nobelpreis», den Prinz-von-Asturien-Preis, hieß es.

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