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Frankreichs Frust

Berlin (dpa) - 10.07.2006, 14:55 Uhr

Frankreichs Frank Ribery (l) und Mikael Silvestre sind nach dem Finale gefrustet.
Frankreichs Frank Ribery (l) und Mikael Silvestre sind nach dem Finale gefrustet.

Frust statt Feiern. Nach einer freudlosen Nacht in Berlin flogen Frankreichs Fußballer mit einem Gefühl der Leere zurück nach Paris.

«Wenn man so kurz vor dem Ziel war und dann das Finale durch Elfmeterschießen verliert, tut das verdammt weh», sagte Patrick Vieira nach dem verlorenen Endspiel gegen den nunmehr viermaligen Weltmeister Italien mit betroffener Miene. Die «Equipe tricolore» trug Trauer und mit ihr auch Trainer Raymond Domenech, der die wundersame Wiederauferstehung der «Blauen» nicht mit dem zweiten Titelgewinn nach 1998 krönen konnte.

Domenech hätte den Empfang in der Hauptstadt am liebsten abgeblasen, denn Niederlagen feiert man nicht. «Das ist typisch französisch, mit einer Niederlage zufrieden zu sein. Ich kann aber nicht zufrieden sein», meinte der 54-Jährige. Andererseits betrachtete er das verlorene Finale nicht als Niederlage: «Wenn man im Elfmeterschießen verliert, ist das keine Niederlage, sondern wie ein Unentschieden.» Man sei wie die Schweiz (Elfmeterschießen gegen die Ukraine) unbesiegt aus dem Turnier ausgeschieden. Domenech: «Der erfreuliche Unterschied war, dass wir erst im Endspiel scheiterten.»

Der vor WM-Beginn als utopisch angesehene zweite Platz sollte nach den beiden Pleiten des torlosen Vorrunden-K.o. bei der WM 2002 in Südkorea und dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2004 in Portugal für die zu neuer Größe aufgestiegene «Grande Nation» eigentlich Grund zur Freude sein. Diese kam schon gar nicht auf angesichts des skandalösen Kopfstoßes ihres des Feldes verwiesenen Kapitäns Zinédine Zidane. Das Thema war für seine Mitspieler tabu. Fragen über den folgenschweren Ausraster blieben unbeantwortet.

Auch nicht als Sündenbock behandelt wurde der traurige Unglücksrabe David Trezeguet, Frankreichs einziger Fehlschütze beim Elfmeterschießen, dessen Schuss von der Unterkante der Torlatte nicht hinter der Linie wie bei Zidanes 1:0 aufprallte. «Ich habe genau platziert geschossen. Da war viel Pech dabei», sagte Trezeguet, der sich aber schnell mit dem Missgeschick abfand: «Das ist ein Teil des Fußballs.»


Für ihn sei es überhaupt eine «schwarze WM» gewesen, denn bei Domenech hatte der 29-jährige Stürmer von Juventus Turin keine guten Karten. Im Finale hatte er gehofft, wieder zum Helden werden zu können - so wie damals im EM-Endspiel 2000 in Rotterdam, das er gegen Italien mit seinem «Golden Goal» zum 2:1 entschied. Zuvor hatte er zwei Minuten (für Zidane) gegen Südkorea gespielt. Als der Kapitän gelb-gesperrt war, durfte er beim 2:0 gegen Togo ran, ohne seine vielen Torchancen zu nutzen. «Ich bin nicht froh, aber ich muss die Entscheidungen des Trainers akzeptieren», sagte «Trezegol».

Er will es sich offensichtlich nicht mit dem Coach verderben. Beide gehören zu den Protagonisten der Zukunft, nachdem mit den Rücktritten von Zidane, Lilian Thuram und Claude Makelele ein Generationsschnitt zu vollziehen ist. Trezeguet, mit 32 Treffern drittbester französischer Torschütze hinter Michel Platini (41) und Thierry Henry (36), will dabei sein. Ob es auch Domenech sein wird, ist noch offen. «Ich fahre erst Mal in Urlaub. Am Dienstag gibt es ein Gespräch mit dem Verband. Dann wird man weitersehen», meinte Domenech. Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes hat unmittelbar nach dem Finale eine Weiterbeschäftigung Domenechs nach dessen WM- Profilierung signalisiert: «Wir sind sehr zufrieden mit seiner Arbeit. Trotz der Niederlage im Finale, er hat mit der Mannschaft Großartiges erreicht.»

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