Fünf Tage nach dem 2:0-Erfolg über den WM-Dritten Deutschland ließ Marcello Lippi in seinem 29. Länderspiel als Italiens Coach seine Elf erstmals in unveränderter Formation beginnen. Und obwohl beide Teams wie fast immer nur mit einer Sturmspitze agierten, entwickelte sich bei sommerlichen Temperaturen von 28 Grad statt des befürchteten taktischen Abtastens zunächst eine tempogeladene, später dann aber doch eine an Ereignissen recht arme Partie auf mäßigem Niveau. Allerdings führte gleich der erste gefährliche Angriff der ganz in weiß gekleideten «Blauen» zum Strafstoß, den Materazzi an Malouda verursachte: Zidane nutzte die Chance im 785. und letzten Spiel als Profi zu einem spektakulären Treffer: Sein lässiger Schlenzer prallte von der Lattenunterkante nach unten, aber klar hinter der Linie auf. Damit ist die französische Fußball-Ikone nach Pelé, Vava und Paul Breitner der vierte Spieler, der in zwei WM-Endspielen als Torschütze in Erscheinung trat. Er beendete so die Serie von Gianluigi Buffon, der nach 460 Minuten erstmals wieder hinter sich greifen musste. Die Italiener hatten zunächst Glück, dass Materazzi Sagnols Schuss ans Außennetz lenkte (9.), steckten danach aber den ersten Rückstand bei dieser WM cool weg. Und ausgerechnet Materazzi machte seinen Fehler wett, als er Andrea Pirlos Eckball zum Ausgleich einköpfte (19.). Es war das zweite Turnier-Tor des Nesta-Vertreters. Danach beruhigte sich das Match wieder, der Spielfluss ging etwas verloren. Das lag auch daran, dass die Spielmacher Zidane und auf der anderen Seite Francesco Totti von ihren Gegenspielern wirkungsvoll bekämpft wurden. Die aggressiveren Italiener blieben aber vor allem bei Standards gefährlich: So hatte erneut nach einer Pirlo-Ecke Luca Toni das 2:1 auf dem Kopf, doch der Stürmer traf nur die Latte (36.). Nach dem Wiederanpfiff drückten die Franzosen deutlich mehr auf das Tempo und stellten die von Cannavaro in dessen 100. Länderspiel organisierte Hintermannschaft durch Thierry Henry (46./50./60.) nach Sololäufen drei Mal vor Probleme. Auch Zidane riss das Spiel mehr und mehr an sich. Dagegen war Totti bei Claude Makelele total abgemeldet, so dass Lippi den Star nach gut einer Stunde sogar gegen Vicenzo Iaquinta auswechselte. Immerhin setzte nun der starke Pirlo ab und zu Akzente. Sein 30- Meter-Freistoß - Italiens erste nennenswerte Chance nach der Pause - strich nur knapp am Gehäuse von Fabien Barthez vorbei (77.). Bei den Italienern machte sich der Kräfteverschleiß aus dem Deutschland-Spiel bemerkbar, doch ihnen blieb die Verlängerung erneut nicht erspart. Immerhin behielten diesmal alle italienischen Elfmeterschützen die Nerven, während David Trezeguet für Frankreich nur die Latte traf. Für diverse Profis aus beiden Nationalteams könnte es allerdings schon Anfang der Woche ein böses Erwachen aus dem WM-Traum geben. Denn nunmehr für den 11. Juli haben die Juristen erste Urteile im italienischen Fußball-Skandal angekündigt. Insgesamt acht Akteure, fünf Italiener und drei Franzosen, stehen bei Rekordmeister Juventus Turin unter Vertrag, dem der Zwangsabstieg in die 3. Liga droht.
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