WM dopingfrei mit weniger Verletzungen
Berlin (dpa) - 09.07.2006, 11:04 Uhr
Schiedsrichter Archundia winkt Mediziner für den gefoulten Eric Abidal herbei.
Eine dopingfreie Fußball-Weltmeisterschaft mit weniger Verletzungen: So lautet die WM-Bilanz der Mediziner des Weltverbandes FIFA. Alle 476 Doping-Kontrollen, die vor der WM und bei 62 der 64 Spiele vorgenommen wurden, sind negativ ausgefallen, teilte FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak in Berlin mit. Außerdem habe die Häufigkeit der Verletzungen von Spielern im Vergleich zu vorherigen Endrunden-Turnieren deutlich abgenommen. In 60 ausgewerteten Partien wurden 134 Verletzungen registriert, was ein Schnitt von 2,2 Blessuren pro Spiel ist. Bei der WM 1998 in Frankreich waren es 2,4 Verletzungen pro Begegnung, 2002 in Südkorea und Japan gar 2,7. «Es ist ein signifikanter Rückgang feststellbar», sagte Dvorak. Dies gelte vor allem für Verletzungen als Folge von Fouls, die nur 45 Prozent ausmachten.
Als Grund nannte er das konsequentere Durchgreifen der Schiedsrichter, die so viele Gelbe, Gelb-Rote und Rote Karten wie nie zuvor zückten. Sie waren vor allem angehalten, auf den regelwidrigen Einsatz der Ellenbogen bei Kopfbällen zu achten. Folge: Während bei der WM 2002 noch 25 Kopfverletzungen aufgetreten waren, sind es nun lediglich elf. «Vor vier Jahren gab es auch eine Schädelfraktur, diesmal keine», stellte Dvorak zufrieden fest. Mit Besorgnis beobachtete der Neurologe aus Tschechien den Trend zum Vortäuschen von Verletzungen und so manches brutale Foulspiel. «Was wir sicher in Angriff nehmen werden, sind die Kung-Fu-Einlagen mit gestrecktem Bein, die wir von einigen Spielern sehen konnten», sagte Dvorak und betonte: «Diese Sache nehmen wir sehr ernst.» |