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Barthez: Risiko hinter Frankreichs Betondeckung

München (dpa) - 06.07.2006, 16:04 Uhr

Fabien Barthez strahlt nicht immer Sicherheit aus.
Fabien Barthez strahlt nicht immer Sicherheit aus.

Bitterböse Zungen behaupten, Frankreich sei es gelungen, ohne Torwart ins WM-Finale von Berlin eingezogen zu sein. Oder trotz Fabien Barthez. Ganz schön harter Tobak und wie es scheint äußerst ungerecht.

Denn einen wirklich gravierenden Schnitzer, der zu einem gegnerischen Tor geführt hätte, konnte man dem ältesten Spieler in der «Équipe tricolore» noch nicht nachweisen. An den beiden bisherigen Gegentoren durch den Südkoreaner Park Ji-Sung und den Spanier David Villa traf ihn keine Schuld.

Auch die statistischen Werte der ersten fünf WM-Spiele sind so schlecht nicht, wie man meinen könnte. In 450 Spielminuten hatte er 140 Ballkontakte und wurde ganze neun Mal zum Eingreifen gezwungen. Die bärenstarke Betondeckung der «Blauen» mit den beiden überragenden Innenverteidigern Lilian Thuram und William Gallas - sie gewannen zusammen 143 ihrer 159 Zweikämpfe - nimmt ihm jede Menge Arbeit ab. Gelegenheiten, sein Können zu zeigen, bekam er deshalb ebenso wenig wie so genannte unhaltbare Bälle zu parieren.

Dennoch besetzt Barthez, der am 28. Juni 35 Jahre alt wurde, die Rolle eines unsicheren Kantonisten zwischen den Pfosten. Bisweilen agiert er im Stile eines «baggernden» oder «pritschenden» Volleyballspielers. Auch bei manchen Faustabwehr-Versuchen muss man den Atem anhalten. Bisher ging alles gut. Die Wahl von Trainer Raymond Domenech, den erfahrenen Weltmeister von 1998 dem saisonbesten Keeper Grégory Coupet vom französischen Meister Olympique Lyon vorzuziehen, scheint dem Coach Recht zu geben.

Vor der WM hatten sich in einer Umfrage des Fußball-Magazins «France Football» 69 Prozent der Profi-Kollegen aus der Liga für Coupet ausgesprochen. Derlei Ergebnisse ließen einen wie Domenech kalt. Er bestimmte Barthez zur Nummer 1, was den tief getroffenen Coupet zur fluchtartigen Abreise aus dem Höhentrainingslager von Tignes veranlasste. Nur mit Engelszungen konnte der Lyoner zur Rückkehr bewegt werden. Er trägt sein Los ähnlich wie im deutschen Lager Oliver Kahn.


Barthez lässt nicht erkennen, ob ihn dieses Theater formschwächend beeindruckte oder unter verstärkten Druck setzte. Im WM-Vorbereitungsspiel gegen Mexiko erntete der glatzköpfige Keeper von Olympique Marseille im Pariser «Stade de France» gellende Pfiffe, die orkanartig anschwollen, als ihm der ausgewechselte Kapitän Zinédine Zidane für den Rest der Spielzeit die Spielführerbinde anvertraute. Man munkelt ohnehin, dass der WM-Kumpel von 1998 nur durch des «Maitres» Fürsprache die französische Nummer 1 ist.

Äußerlich gibt sich Barthez gelassen. «Ich habe auch nie vom Endspieltag 9. Juli geträumt. Bei so einem Turnier zählt nur die Konzentration auf das tägliche Ziel.» Eines hat er schon erreicht: Mit 16 WM-Einsätzen bei den Turnieren 1998, 2002 und 2006 löste er Maxime Bossis (15) als Frankreichs WM-Rekordspieler ab.

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