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Zidane tritt ab - Ribéry ist Frankreichs Zukunft

München (dpa) - 05.07.2006, 14:42 Uhr

Zinedine Zidane (L) und Frank Ribery während des Trainings.
Zinedine Zidane (L) und Frank Ribery während des Trainings.

Der König dankt ab - sein Kronprinz ist bereit. Wenn der geniale Stratege Zinedine Zidane nach 16-jähriger Fußball-Karriere das Zepter bei der WM in Deutschland auch in der französischen Nationalmannschaft abgibt, dann steht sein Nachfolger in der «Équipe tricolore» schon fest.

Franck Ribéry ist Frankreichs Hoffnungsträger für die Zukunft. Der kometenhafte Aufstieg des 23-jährigen Mittelfeldspieler von Olympique Marseille versetzt die «Grande Nation» bei der WM in Entzücken und die Fachwelt in Erstaunen. Seine Nominierung für den 23 Spieler umfassenden WM-Kader galt allgemein als Überraschung. Mit Ludovic Giuly vom Champions-League-Gewinner FC Barcelona, dem von Werder Bremen zu Girondins Bordeaux gewechselten Johan Micoud und dem künftig für den FC Villareal spielenden Robert Pires ignorierte Trainer Raymond Domenech drei namhafte Mittelfeldstars. Er nahm dafür lieber Jungstar Ribéry nach dessen starker Saison mit ins WM-Boot.

Eine goldrichtige Entscheidung, wie die bemerkenswerte Erfolgsstory des Emporkömmlings bei dieser WM belegt. Entgegen der Volksmeinung - 69 Prozent der Franzosen forderten bei einer Umfrage Ribérys Einsatz beim WM-Start gegen die Schweiz in der Startelf - baute Domenech die neue Perle des französischen Fußballs behutsam auf. Zusammengenommen ganze 54 Minuten brachte er ihn in der drei Vorbereitungsspielen gegen Mexiko, Dänemark und China als «Joker». Jedes Mal mit durchschlagendem Erfolg.

«Ribéry ist ein guter Schüler. Weil er aber aus einer unteren Klasse kommt, kennt er noch nicht alles», sagte Domenech. Der aus einfachen Verhältnissen stammende neue Hoffnungsträger der «Blauen» stellte seine Wissbegier und Lernfähigkeit schnell unter Beweis. Es begann im Höhentrainingslager von Tignes, wo er sofort die Nähe seiner Idole Zidane und Thierry Henry suchte. Sie sind wie Vater- oder Bruderfiguren für den jüngsten WM-Spieler Frankreichs, der mit seiner direkten und umkomplizierten Art sofort akzeptiert wurde.

«Der Sohn von Zizou hört nicht auf, seinem Vater zuzuhören», schrieb die Sportzeitung «L'Équipe». Beim Stürmerstar Henry holte sich der wegen seiner blutigen Gesichtsnarbe als Folge eines Unfalls in der Kindheit «Scarface» genannte Ribéry wichtige Tipps und Anregungen. Sie fielen schnell auf fruchtbaren Boden. «Er ist ein feiner Kerl, offen und umkompliziert. Er will einfach alles wissen», meinte Henry. Auch was sie auf dem Spielfeld an ihm haben, umschreibt der Arsenal-Stürmer mit einem Superlativ. Henry: «Ich kenne keinen Spieler auf der Welt, der sich so den Ball schnappt und dann brutal beschleunigt.» Mit seinem Sturm und Drang bisweilen am Rande der Hyperaktivität hat der Jung-Dynamiker der alternden «Équipe tricolore» frischen Atem eingehaucht.


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