Der Halbfinal-Einzug der «Squadra Azzurra» ist Balsam für die Seele der Tifosi, die nach dem Fußball-Skandal um Juventus Turin und dem Drama um Pessotto endlich wieder Grund zum Jubeln haben. Einige Zuschauer hatten Transparente mit der Aufschrift «Pessotto im Herzen». Kapitän Fabio Cannavaro lief nach dem Abpfiff mit einer Italien-Flagge über dem Platz, auf der «Pessotto, wir sind bei Dir». In der ersten Halbzeit machte die Ukraine den Italienern das Leben sehr leicht. Ukraines Trainer Oleg Blochin schickte gleich sieben Defensiv-Künstler auf das Feld und bot in Andrej Schewtschenko nur eine Spitze auf. Zwar berief auch sein Gegenüber Marcello Lippi im besten Serie-A-Torschützen Toni nur einen Stürmer in die Anfangsformation, doch dank seiner starken Mittelfeld-Reihe konnte er offensiver spielen. Schon nach sechs Minuten durfte Lippi über das früheste Tor seiner Mannschaft bei dieser WM jubeln: Nach einem Hackentrick von Francesco Totti schnappte sich Verteidiger Zambrotta den Ball, zog aus 20 Metern ab und ließ Ukraines Torwart Alexander Schowkowski keine Chance. In der Folgezeit kontrollierte Italien vor allem dank des starken Regisseurs Totti Spiel und Gegner, machte aber zu wenig aus seiner Überlegenheit. Ukraine-Trainer Blochin reagierte und brachte nach 20 Minuten in Andrej Worobej für Wjatscheslaw Swiderski einen offensiven Mann. Das Spiel der Ukrainer wurde aber nicht besser. Schewtschenko, der zur neuen Saison nach sieben Jahren beim AC Mailand zum FC Chelsea wechselt, war bei seinen ehemaligen Serie-A-Kollegen abgemeldet. Nach der Pause wurde die Ukrainer endlich mutiger und kamen auch gleich zu Möglichkeiten. Andrej Gussin (50.) traf mit seinem Kopfball nur den Pfosten. Acht Minuten später rettete Torwart Gianluigi Buffon gegen Oleg Gussew, anschließend wehrte Zambrotta den Schuss von Maxim Kalinitschenko ab. Mitten in diese Drangphase fiel Tonis 2:0 (59.), erneut nach Vorarbeit des immer stärker werdenden Totti. Zwar hatte Gussin (62.) erneut Pech mit einem Kopfball an die Latte, doch die Italiener ließen sich nicht mehr aus dem Konzept bringen. Der überragende Zambrotta bereitete auch den dritten Treffer vor. Toni (69.) ließ sich auch die Chance nicht entgehen.
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