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Elfmeter-Geschenk rettet Italien gegen «Socceroos»

Kaiserslautern (dpa) - 26.06.2006, 23:50 Uhr

Der Italiener Marco Materazzi (M) wird vom Platz gestellt.
Der Italiener Marco Materazzi (M) wird vom Platz gestellt.

Vom Buhmann zum Helden: Francesco Totti hat die «Squadra Azzurra» mit einem verwandelten Strafstoß in letzter Sekunde vor dem drohenden WM-K.o. bewahrt und das australische Fußball-Märchen im Achtelfinale abrupt beendet.

Dank eines Elfmeter-Geschenks besiegte Italien das Trauma von 2002 und schaffte den Sprung in die Runde der besten Acht. Ausgerechnet Totti, der von den Tifosi vor vier Jahren nach einem Feldverweis für das Achtelfinal-Aus verantwortlich gemacht worden war, verwandelte in Kaiserslautern einen fragwürdigen Strafstoß in der fünften Minute der Nachspielzeit zum glücklichen 1:0 (0:0)-Sieg.

«Das war das Tor zum Viertelfinale. Ich widme es meiner Frau Ilary und meinem Sohn Cristian», sagte der strahlende Matchwinner. Im Viertelfinale trifft Italien in Hamburg auf den WM-Neuling Ukraine, der sich mit 3:0 (0:0) nach Elfmeterschießen gegen die Schweiz durchsetzte.

Gegen den aufopferungsvoll kämpfenden Außenseiter vom Fünften Kontinent, der mit Ovationen von den Fans verabschiedet wurde, hatte bereits alles auf eine Verlängerung hingedeutet. Nach einem Faller von Fabio Grosso im Strafraum entschied der spanische Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo jedoch auf Elfmeter, den Totti eiskalt verwandelte. «Das hat er mit Bravour gemacht. Ich hatte einen Lupfer befürchtet», sagte Trainer Marcello Lippi. «Ich habe an einen Lupfer gedacht, aber das war mir zu heiß. Ich war ganz ruhig», schilderte Totti seine Empfindungen in den Sekunden des späten Triumphes.

«Es ist eine unglaubliche Freude, ich bin überglücklich. Dieses Spiel hatte alles, was ein Spiel haben kann. Das war ein Wink des Schicksals», sagte Lippi. Nach einer Roten Karte gegen Marco Materazzi (50. Minute) hatte der dreimalige Weltmeister vor 46 000 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion fast eine Halbzeit lang in Unterzahl spielen müssen und am Rande einer Niederlage gestanden. «Da hatten wir zu leiden, aber wir haben auch nur wenige Chancen zugelassen», sagte der sichtlich gezeichnete Lippi.


Am Ende durften die «Azzurri» doch noch die erhoffte Revanche an Australiens Trainer Guus Hiddink bejubeln. Der hatte vor vier Jahren mit Südkorea die Sensation geschafft und Italien aus dem Turnier geworfen. «Das war ein Knockout in letzter Sekunde, deshalb sind wir natürlich sehr enttäuscht. Wir waren ganz nah dran. Ich bin aber trotzdem stolz auf meine Jungs, sie haben ein großartiges Turnier gespielt», lobte Hiddink sein aufopferungsvoll kämpfendes Team.

Für Totti hatte die Partie mit einer bösen Überraschung begonnen, denn der Mittelfeld-Regisseur vom AS Rom schmorte zunächst nur auf der Bank. «Er war müde, deshalb habe ich ihn zunächst draußen gelassen», begründete Lippi die Ausmusterung seiner «Nummer 10». Erst nach 75 Minuten durfte Totti für den nicht überzeugenden Alessandro Del Piero ran. Der hatte die erste gefährliche Szene vorbereitet, in der Luca Toni einen Kopfball aus kurzer Distanz neben das Tor setzte. Der Torschützenkönig der Serie A war im ersten Durchgang der auffälligste Spieler auf dem Platz und rechtfertigte seine Aufstellung.

Sein erstes Turniertor wollte ihm jedoch nicht gelingen. Bei zwei aussichtsreichen Versuchen scheiterte Toni zunächst an Torwart Mark Schwarzer (22.) und köpfte dann über das Tor (34.). Zur Pause brachte Lippi mit Vincenzo Iaquinta für Alberto Gilardino einen frischen Angreifer. Doch nach nur fünf Minuten gerieten seine Pläne völlig durcheinander, als Materazzi in der bis dahin ausgesprochen fairen Partie die Rote Karte sah. Die Entscheidung von Cantalejo schien trotz des klaren Fouls an Marco Bresciano überzogen. Als taktische Folge musste Toni dem neuen Innenverteidiger Andrea Barzagli weichen.

Die Australier wurden nun mutiger und begannen an die Überraschung zu glauben. Doch die Angriffsversuche - überwiegend hohe Flanken in den Strafraum - blieben eher bieder. Einen Schuss des starken Scott Chipperfield, der schon nach einer halben Stunde an Gianluigi Buffon gescheitert war, parierte der italienische Schlussmann erneut (59.). «Der einzige Vorwurf, den man uns machen kann, ist, dass wir das Tor nicht geschossen haben. Das unterscheidet uns von einem Team wie Italien», stellte Hiddink fest.

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