Saudis sagen leise Servus: Rücktrittswelle
Kaiserslautern (dpa) - 24.06.2006, 14:39 Uhr
Sami Al Jaber erklärt nach 161 Länderspielen seinen Rücktritt vom Nationalteam.
Der WM-Traum aus Tausendundeiner Nacht ist für Saudi-Arabien wie vor vier Jahren schon nach der Vorrunde geplatzt, doch die Schande von 2002 ist getilgt. Das Team der «Grünen Falken» von Trainer Marcos Paquetá sagte nach dem 0:1 gegen Spaniens B-Auswahl in Kaiserslautern leise Servus und flog mit nur einem Punkt aus drei Spielen im Gepäck von Frankfurt aus in das Königreich am Arabischen Golf zurück. Die Steigerung um 100 Prozent gegenüber dem punkt- und torlosen Auftritt in Japan und Südkorea verleitete Paquetá zu einer gewagten Prognose. «Wir kamen um zu lernen und haben uns verbessert. Wir müssen uns aber noch viel mehr am internationalen Fußball mit seiner Schnelligkeit, Härte, Fitness und taktischen Raffinesse orientieren. Dann haben wir auch 2010 in Südafrika eine Chance», sagte der 47- jährige brasilianische Coach zum Abschied ohne Tränen.
Erst im Dezember 2005 war er als Nachfolger des Argentiniers Gabriel Calderon angetreten und geht nun davon aus, dass sein vertraglich bis 2008 angelegtes Engagement Bestand haben wird: «Wir werden uns ganz auf die Olympia-Qualifikation für 2008 in Peking konzentrieren, um für 2010 gewappnet zu sein.» Des Trainers Schicksal hängt wie das seiner 11 geschassten Vorgänger in den vergangenen 15 Jahren vom Wohl und Wehe des saudischen Verbands-Präsidenten Prinz Sultan bin Fahad bin Abdulaziz ab. Bei Erfolg hatte seine Hoheit dem gesamten Team sechsstellige Dollar-Prämien in Aussicht gestellt. Sponsoren wären bereit gewesen, Häuser und Grundstücke als Lohn für die Spieler zu stiften, die alle in der saudi-arabischen Premier League spielen. Acht Profis hatten sich nach der WM ein Engagement in Europa erhofft, aber niemand hat sich bisher nach Angaben von Mittelfeldspieler Al-Temyat gemeldet. Es gibt immer noch keinen saudi-arabischen Profi, der im Ausland sein Geld verdient und Vorbild sein könnte. Bei aller positiven Naivität, Leidenschaft und Hingabe im technisch anspruchsvollen Spiel reichen Teamarbeit und Athletik nicht aus, um sich international behaupten zu können. |