Alleskönner Adebayor ist Togos Trumpf
Wangen im Allgäu (dpa) - 06.06.2006, 13:05 Uhr
Togo's Sheyi Adebayor (Mitte) versucht einem Liechtensteiner den Ball ab zu nehmen.
Emmanuel Adebayor ist für Togo mehr wert als Michael Ballack für Deutschland. Der 22-Jährige von Arsenal London ist der einzig denkbare Grund für ein erfolgreiches Abschneiden des westafrikanischen Landes bei seiner ersten Fußball-WM. Er holt sich die Bälle noch im defensiven Mittelfeld und würde seine eigene Vorlage wohl auch noch verwandeln, wenn das möglich wäre. Der Alleskönner sieht sich jedoch nicht als Alleinunterhalter. «Ich bin nur ein Spieler. Wir können nur als Team Erfolg haben», sagt er bescheiden. «Ich spüre keinen Druck und bin bereit, ein gutes Turnier zu spielen.» Der freundliche und höfliche Spieler, der auf jede Frage antwortet und sich mit Handschlag verabschiedet, ist die eine Seite des Emmanuel Adebayor. Die andere Seite zeigt den Ehrgeiz des Leistungssportlers, der auch nach Deutschland gekommen ist, um Erfolg zu haben. Beim Afrika-Cup stand er nach drei Niederlagen in der Vorrunde kurz vor einer Prügelei mit dem damaligen Nationaltrainer Stephen Keshi und war maßgeblich an der Entlassung des Nigerianers beteiligt. Keshis Nachfolger Otto Pfister weiß, was er an Adebayor hat. «Er ist ein Ausnahmekönner und mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld», sagte der 68-jährige Deutsche.
Mit 11 von 22 Toren in der WM-Qualifikation schoss Adebayor Togo in der WM-Qualifikation überhaupt erst zur Endrunde. Der erfolgreichste afrikanische Torschütze dominiert das togoische Spiel, ist damit aber auch die Achillesferse der «Sperber». «Wenn Adebayor ausgeschaltet wird, dann hat Togo ein Problem», meinte Liechtensteins Trainer Martin Andermatt. Der ehemalige Bundesliga-Trainer des SSV Ulm 1846 betreute Liechtensteins Feierabend-Fußballer beim 0:1 gegen Togo. Das erste Spiel gegen Südkorea am 13. Juni in Frankfurt/Main mag das «Schlüsselspiel» (Pfister) für eine erfolgreiche WM sein, für Emmanuel Adebayor steht das Duell gegen Frankreich am 23. Juni unter einem besonderen Stern. «Viele meiner Landsleute träumen wegen der gemeinsamen Geschichte davon, die französische Mannschaft zu besiegen. Aber das ist und bleibt nur ein Fußballspiel», sagt Adebayor, der dann auch auf seinen Arsenal-Teamkollegen Thierry Henry trifft. «Wir sind zwar Freunde, aber nicht im Spiel. Da zählt nur das eigene Land.»
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