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Lob für Ronaldo: «Was für ein Schwergewicht»

Dortmund (dpa) - 23.06.2006, 11:48 Uhr

Ronaldo (l) beim Torschuss zum 4:1 gegen Japan.
Ronaldo (l) beim Torschuss zum 4:1 gegen Japan.

Brasiliens Stürmerstar Ronaldo hat der Fußball-Welt und seinem Söhnchen Ronald sein wahres Gewicht gezeigt. Mit seinen beiden Toren beim 4:1 (1:1) gegen Japan setzte Ronaldo einen fulminanten Schlussstrich unter die Diskussionen um seine körperliche Verfassung.

Blitzschnelle Drehungen fast wie einst «kleines dickes Müller» zeigte der 29-Jährige dabei. Mit seinen WM-Toren Nummer 13 und 14 zog er mit Rekordhalter Gerd Müller gleich. «Ich hatte das Ziel, Müllers Bestmarke zu schaffen und ich bin glücklich, es geschafft zu haben», sagte der WM-Torschützenkönig von 2002, dessen sechs Jahre alter Sohn erstmals ein Spiel von ihm im Stadion erlebt hat.

Ronaldo war auch nach dem Abpfiff des begeisternden Spiels in Dortmund kaum wiederzuerkennen. Im Hochgefühl des Triumphs schwebte das 90,5-Kilo-Gewicht - so die Angaben von Konditionstrainer Morcy Sant'Anna - fast. «Ich möchte mit meiner Familie feiern, mit meinen Freunden, mit meinem Sohn, der gekommen ist, um das Spiel zu sehen. Es war übrigens das erste, das er gesehen hat», sagte Ronaldo mit unbändigem Stolz in den Augen. In den letzten Minuten, als Torwart Dida ausgewechselt wurde, durfte das einstige «Sorgenkind» sogar die Spielführerbinde tragen.

«Ronaldos Rekord: Brasilien entdeckt, was für ein Schwergewicht er ist», titelte «La Gazzetta dello Sport». Vor den Augen von Pelé, mit dem Ronaldo nicht unbedingt eine Freundschaft verbindet, überholte der Sturmtank das brasilianische Idol, das es auf zwölf WM-Treffer gebracht hatte. «Diese Tore geben mir Selbstvertrauen. Der Rekord ist eine Zugabe. Aber die Hauptzugabe muss noch kommen.» Wie Pelé kann Ronaldo zum dritten Mal Weltmeister werden.

In der Stunde der Erlösung räumte der dreimalige «Weltfußballer des Jahres» erstmals ein, dass er nicht zu Unrecht wegen seiner paar Kilo zu viel gescholten worden war. «Nach 45 Tagen ohne Training bin ich in einem schlechteren körperlichen Zustand als meine Kollegen hier angekommen. Und ich wusste, dass ich mich sehr anstrengen musste, um das Niveau der anderen zu erreichen», sagte Ronaldo. «Ich bin heute viel besser drauf, aber ich muss noch einiges verbessern.»


Bei der WM 2002 hatte «Il Fenomeno», wie er zu seiner Zeit bei Inter Mailand getauft wurde, nach einer Serie von schweren Verletzungen ein phänomenales Comeback gefeiert. «Das wichtigste Wort in meinem Leben ist Geduld», meinte Ronaldo. Einer der Leidtragenden seiner Leistungsexplosion war der «weiße Pelé»: «Er ist ein Kanonier. Er ist fantastisch», sagte Japans Nationaltrainer Zico.

Sein Kollege Carlos Alberto Parreira konnte die Genugtuung kaum verbergen. «Ronaldo ist zurück! Wir haben immer an ihn geglaubt. Und mit ihm haben wir heute wieder brasilianisch gespielt», sagte der 63-Jährige. Parreira trifft mit der «Seleção» nun im Achtelfinale ebenfalls in Dortmund auf die Auswahl jenes Landes, wo vor fast 40 Jahren seine internationale Karriere begonnen hatte. Von 1967 bis '68 betreute er die Auswahl des afrikanischen Landes und war mit dem Spitzenclub SC Asante Kotoko nationaler Meister.

«Sie bereiten dem Gegner Probleme mit ihrer kraftvollen Art Fußball zu spielen. Aber um Weltmeister zu werden, müssen wir gegen jedes Team bestehen», sagte Parreira. Der 63-Jährige hatte mit gleich fünf neuen Spielern frischen Wind in sein Team gebracht. Während Ronaldo der Mann des Tages war, zählte sein bisheriger Sturmpartner Adriano zu den Verlierern: Der Torschützenkönig vom Confederations Cup musste mitansehen, wie Robinho um Ronaldo herum wirbelte. Und der zweifache Torschütze hat sich noch einiges vorgenommen. «Für mich fängt die WM jetzt erst an», sagte Ronaldo.

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