Ronaldo trifft, Brasilien zaubert: 4:1gegen Japan
Dortmund (dpa) - 22.06.2006, 23:35 Uhr
Der Brasilianer Ronaldo (r) trifft per Kopf zum 1:1 gegen Japan.
Ausgerechnet Stürmerstar Ronaldo hat den schlafenden Fußball-Riesen Brasilien wachgeküsst. Das übergewichtige Sorgenkind war der überragende Mann beim 4:1 (1:1)-Sieg des Titelverteidigers im letzten Gruppenspiel gegen Japan. Der Asienmeister mit seinem brasilianischen Trainer Zico verpasste nach der Lehrstunde durch die «Seleção» die Sensation und muss nach drei sieglosen Begegnungen bei der WM die Koffer packen. In einem mitreißenden Spiel vor 65 000 Zuschauern in Dortmund glich der zuletzt heftig kritisierte Ronaldo (45.+1) zunächst die überraschende Führung der Japaner durch Keiji Tamada (34.) aus und sorgte schließlich mit seinem 14. WM-Tor (81.) für den krönenden Abschluss einer überzeugenden Darbietung der Brasilianer. Damit überholte «il fenomeno» in der ewigen WM-Torschützenliste seinen Landsmann Pelé und den Franzosen Just Fontaine und zog mit Rekord- Torjäger Gerd Müller gleich. Die weiteren Treffer steuerten Juninho (53.) in seinem ersten WM-Einsatz und der Berliner Bundesliga-Profi Gilberto (59.) mit seinem ersten Treffer im Nationaltrikot bei. «Ich werde langsam wieder der Alte», sagte Ronaldo. «Ich werde mich lange an diesen Abend erinnern.» Auch Trainer Carlos Alberto Parreira lobte den zweifachen Torschützen: «Ronaldo ist zurück. Wir haben immer an ihn geglaubt. Wir verbessern uns von Spiel zu Spiel. Jetzt haben wir viel Selbstvertrauen.» Im Achtelfinale trifft der wieder erstarkte fünfmalige Champion am 27. Juni erneut in Dortmund auf WM-Neuling Ghana. Die «Black Stars» hatten zuvor für die erste große Überraschung des Turniers gesorgt und durch ein 2:1 gegen die USA den Sprung in die K.o.-Runde geschafft. Parreiras Trainerkollege Zico dagegen war tief enttäuscht: «Es macht einen nicht glücklich, gegen das eigene Land spielen zu müssen. Wichtig war, dass wir bis zum Schluss gekämpft haben.»
Gleich auf fünf Positionen hatte Trainer Carlos Alberto Parreira sein Team umgebaut. Gilberto, Juninho, Cicinho, Gilberto Silva und Robinho durften von Beginn an ran und zeigten sofort, dass sie die Chance, sich durch überzeugende Leistungen in die Mannschaft zu spielen, nutzen wollten. Vor allem der 22 Jahre alte Robinho setzte als Sturmpartner von Ronaldo, dessen Kampfgewicht von 90,5 Kilogramm Konditionstrainer Moraci Sant'Anna ausgeplaudert hatte, Akzente. In der munteren ersten Hälfte mit hohem Tempo und zahlreichen Torchancen versprühten ausgerechnet die bislang zu Bankdrückern degradierten Stars der «Seleção» endlich die so schmerzlich vermisste Spielfreude. Auch der «Weltfußballer des Jahres» Ronaldinho ließ sich nach bislang eher mäßigen Leistungen von seinen Mitspielern anstecken und harmonierte mit dem starken Juninho im Mittelfeld hervorragend. |