Italienische Titelträume gegen Skandal-Depression
Bremen/Stockholm (dpa) - 23.06.2006, 15:56 Uhr
Marco Materazzi springt nach dem Spiel vor Freude Buffon in die Arme.
Das Krimi-Land Schweden freut sich auf einen spannenden Mittsommer-Thriller in München, fürchtet Miroslav Klose als gnadenlosen Vollstrecker und hofft auf «Inspektor Ibrahimovic» als Retter in der Not. «Höchste Zeit für ein Traumtor», schrieb «Dagens Nyheter» vor dem Achtelfinale gegen Deutschland an die Adresse von Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic. Der Einsatz des zuletzt verletzten Schweden gilt allerdings weiter als unsicher. Immerhin schoss der 24-Jährige nach einer auskurierten Zerrung beim Bremer Training schon wieder aus allen Rohren auf das Tor, traf auch bei akrobatischen Einlagen und veranlasste den in der Regel extrem kurz angebundenen Trainer Lars Lagerbäck zu einer Art Mini-Jubelausbruch: «Er macht einen guten Eindruck, alles okay.» Ein genialer Trick des lange Zeit formschwachen Stürmers von Juventus Turin soll bremsen, was die Skandinavier als klare Außenseiter noch mehr fürchten als Kloses Torinstinkt oder taktische Schachzüge von Bundestrainer Jürgen Klinsmann: Die Begeisterungswelle beim deutschen Publikum. «Ein Alptraum», konstatierte «Aftonbladet». Dass auch der brasilianische Schiedsrichter Carlos Simon unter diesem Druck die Übersicht zu Gunsten der Gastgeber verlieren könnte, fürchten die Nordlichter allerdings nicht: «An dem gibt es nichts auszusetzen», meinte Ex- Nationalspieler Johan Mjällby, der Simon bei der WM 2002 selbst im Spiel gegen England (1:1) erlebt hat.
Um so Furcht erregender findet «Svenska Dagbladet» das DFB-Team: «Die Heim-Mannschaft kann mit dem kleinen Kaninchen Lahm von hinten über den Kronhirsch Ballack im Zentrum und das Wildschwein Schweinsteiger bis vorne zu Puma Klose gnadenlos zuschlagen.» «Kronhirsch» und Kapitän Ballack macht Lagerbäck aber keine Angst. «Wir wissen, dass er ein guter Spieler ist. Aber wir setzen auf unsere eigene Stärke», sagte er bei einer Pressekonferenz in München und schloss eine besondere Bewachung für Ballack aus. Mit Rezepten gegen Deutschland meldeten sich Alt-Internationale zu Wort, die WM-Erfahrungen gegen das DFB-Team vorweisen können. So glaubt Kurt Hamrin (71), Torschütze bei Schwedens 3:1-Halbfinalsieg 1958: «Zlatan ist ein unberechenbarer Spieler, der Gegenspieler bindet und alles drehen könnte. Die Deutschen können sich nur schwer auf so einen einstellen.» |