Nedved-Ausstieg besiegelt Ende der Goldenen Ära
Hamburg (dpa) - 23.06.2006, 12:59 Uhr
Italiens Torhüter Buffon (r) hatte nach dem Spiel bessere Laune als Nedved.
Nur für kurze Zeit hielt Pavel Nedved inne. Als das unerwartet frühe WM-Aus besiegelt war, kniete der Regisseur der tschechischen Fußball-Nationalmannschaft sekundenlang auf dem Rasen. Das unrühmliche Ende seiner ruhmreichen internationalen Karriere ließ selbst die ansonsten kühlen italienischen Profis nicht kalt: Einer nach dem anderen schloss den scheidenden Superstar im Anschluss an das 2:0 der «Squadra Azzurra» in die Arme. «Es tut weh, einen großen Champion so zu sehen», bekannte Francesco Totti. Die aufmunternden Worte des Offensivspielers aus Rom konnten Nedved kaum trösten. Nicht nur der Vorrunden-Knockout, sondern auch die negativen Schlagzeilen über skandalöse Vorgänge in seiner Wahlheimat machten «Europas Fußballer des Jahres 2003» zu schaffen: «Ich bin enttäuscht über die Niederlage und über das, was im italienischen Fußball passiert.» Selbst einen generellen Ausstieg aus dem Profi-Fußball wollte der 33 Jahre alte Dauerläufer von Juventus Turin nicht ausschließen. «Ich werde jetzt keine voreilige Entscheidung treffen.»
Nur wenige glauben an einen Verbleib von Nedved in der Nationalmannschaft, viele zweifeln an einer Fortsetzung seiner Karriere bei einem vermeintlichen Zweitligisten. Sollten die Ermittler ihre Androhung wahr machen und den italienischen Rekordmeister aus der Serie A verbannen, wird Nedved entweder die Schuhe an den Nagel hängen oder für sie einen anderen Verein schnüren. Dem Vernehmen nach ist AS Monaco stark interessiert. Große Ziele visiert er jedoch nicht mehr an: «Ich habe eine Geburtsurkunde zu Hause. Auf der steht, dass ich bald 34 Jahre alt werde.» Nedved dürfte nicht der einzige sein, der das Ende der «Goldenen Generation» besiegelt. In der Qualifikation für die EM 2008 mit Gegner Deutschland muss Trainer Karel Brückner voraussichtlich auf weitere in die Jahre gekommene Stars verzichten. Der Rückzug von Rekordnationalspieler Karel Poborsky (34) gilt als sicher, der von Jan Koller (33) und Tomas Galasek (33) als wahrscheinlich. Noch hofft Brückner auf deren Sinneswandel: «Ich plane jetzt noch gar nichts und muss erst meine Gedanken sortieren. Ich hoffe, dass einige der 30-Jährigen weitermachen.» |