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Wieder Kritik an Merk: US-Boys meckern

Frankfurt/Main (dpa) - 23.06.2006, 16:13 Uhr

Jimmy Conrad (l) ärgert sich im Spiel Ghana - USA über Schiedsrichter Merk.
Jimmy Conrad (l) ärgert sich im Spiel Ghana - USA über Schiedsrichter Merk.

Ghanas Trainer Ratomir Dujkovic unterdrückte nur mühsam eine Schimpf-Tirade, sein US-Kollege Bruce Arena übte öffentlich Schelte, und die US-Fans witterten sogar eine Verschwörung: Ausgerechnet bei der Heim-WM ist Markus Merk erneut massiv in die Kritik geraten.

Der stets resolute Schiedsrichter aus dem pfälzischen Otterbach wirkte bei seinem dritten Endrunden-Auftritt längst nicht so souverän wie gewohnt und löste mit einigen fragwürdigen Entscheidungen zum Teil heftige Reaktionen bei den Beteiligten aus.

«Ich weiß, was alles passieren kann und dass auch schwere Spiele kommen werden. Es wird immer mal wieder vorkommen, dass viel diskutiert wird, auch wenn man das möglichst vermeiden will», hatte Merk schon vor Turnierbeginn geunkt. Seinem Credo, ein unauffälliger Teil des Spiels sein zu wollen, konnte er in Nürnberg nicht gerecht werden.

Im Gegenteil. Vor allem die Amerikaner echauffierten sich noch lange nach dem Abpfiff über den von Merk gegen sie verhängten Foulelfmeter, den Stephen Appiah zum 2:1-Siegtor für Ghana verwandelte. «So etwas im Strafraum zu pfeifen ist schon merkwürdig für einen ansonsten wirklich guten Schiedsrichter. Es war eine schlechte Entscheidung», sagte US-Kapitän Claudio Reyna.

Nach zwei Wochen des allgemeinen Lobes für die WM-Schiedsrichter war Merk aber nicht der einzige Referee in der Kritik. Noch härter traf es den Engländer Graham Poll, der nach drei Gelben Karten gegen den Kroaten Josip Simunic im Spiel gegen Australien sogar von FIFA-Chef Joseph Blatter abgewatscht wurde. «So ein Fehler darf nicht vorkommen. Das kann man nicht verzeihen», sagte er in Berlin. Weitere WM-Einsätze des zuvor selbst für das Finale gehandelten Poll sind unwahrscheinlich.


Merk traf nur die Kritik der Amerikaner. Landon Donovan wetterte: «Ich will ja keine Verschwörungstheorien verbreiten, aber das war in 100 Jahren kein Elfmeter. Ich weiß nicht, was er sich dabei gedacht hat.» Die Fans in der Heimat fühlten sich ebenfalls verraten und verkauft. Deutliche Worte fand auch Arena. «Wenn man bei jeder Berührung im Strafraum pfeifen würde, gäbe es in jedem Spiel 15 Elfmeter. Schiedsrichter haben eben auch schlechte Tage», fluchte er über die entscheidende Szene.

Auch die Verwarnung von Ghanas Regisseur Michael Essien, wegen der der Chelsea-Profi im Achtelfinale gegen Brasilien gesperrt zuschauen muss, erregte den Zorn des US-Trainers. «Einen Spieler wie Essien aus dem Turnier zu nehmen, ist einfach falsch. Sein Tackling war regelgerecht», sagte Arena und bezog den Weltverband FIFA gleich mit in seine Kritik ein: «Die Pflicht, in so vielen Situationen Gelb zu zeigen, geht einfach zu weit.» Ghanas Coach Dujkovic verkniff sich dagegen mit Mühe einen Kommentar. «Ich äußere mich nicht zum Schiedsrichter, denn ich will keine Strafe der FIFA riskieren», sagte der Serbe.

Bereits im Spiel Brasilien gegen Australien hatte Merks Image als weltbester Schiedsrichter Kratzer bekommen. Auch dort wirkte der 44-Jährige in einigen Situationen unsicher und wurde im Nachgang sogar von der FIFA abgewatscht. Merk hatte auf dem Spielberichtsbogen eine Beleidigung durch Harry Kewell festgehalten, der vierte Offizielle bewertete den Vorfall jedoch als nicht so dramatisch. Wegen der widersprüchlichen Aussagen sah der Weltverband von einer Bestrafung des australischen Angreifers ab.

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