WM-Neuling Ghana in Achtelfinale: 2:1 gegen USA
22.06.2006, 22:59 Uhr
Ghanas Stephen Appiah (r) trifft zum 2:1 gegen die USA.
Nürnberg (dpa) - Die «Black Stars» greifen nach den Sternen. Beflügelt vom Daumendrücken eines ganzen Kontinents schafften Ghanas Fußballer durch ein 2:1 (2:1) gegen die USA aus eigener Kraft den Einzug ins WM-Achtelfinale, in dem Brasilien der Gegner sein wird. Haminu Draman (23. Minute) und Kapitän Stephen Appiah (45.+2) mit einem Foulelfmeter sorgten vor 41 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion in Nürnberg für den historischen Erfolg des WM-Neulings. Das 100. Tor dieser Weltmeisterschaft durch Clint Dempsey (43.) reichte den USA nicht. Der Viertelfinalist von 2002 muss nach der Vorrunde abreisen. «Ich bin stolz auf meine Jungs», ließ der in Ghana geborene UN-Generalsekretär Kofi Annan aus Genf wissen. In der Hauptstadt Accra flatterten überall Flaggen in den Landesfarben rot-gelb-grün und die Fans, die eigens einen halben Tag arbeitsfrei bekommen hatten, feierten ausgelassen auf den Straßen. «Wir vertreten nicht nur Ghana, sondern einen ganzen Kontinent», sagte der überglückliche Appiah.
Im Achtelfinale wird Ghana allerdings Mickael Essien fehlen. Der für 38 Millionen Euro von Olympique Lyon zum FC Chelsea gewechselte Superstar sah schon in der sechsten Minute vom wieder resoluten Schiedsrichter Markus Merk aus Otterbach seine zweite Gelbe Karte und ist am Dienstag in Dortmund im Spiel gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien gesperrt. «Daran will ich jetzt nicht denken», sagte Essien. «Wir sind total glücklich und bereit auch für Brasilien.» Nervös, zögerlich und unsicher starteten beide Teams in die heikle, aber trotzdem faire Partie. Ghanas Trainer Ratomir Dujkovic musste neben Sammy Kuffour in Gyan Asamoah und Sulley Ali Muntari seine beiden bis dato einzigen Torschützen wegen ihrer Gelb-Sperren ersetzen. «Jetzt haben wir es geschafft», sagte der Serbe. |
«Ich drücke jetzt auch Ghana die Daumen», meinte der nach einer Stunde ausgewechselte Hannoveraner Steve Cherundolo und ärgerte sich über den Strafstoß: «Der Elfer war der Knackpunkt, aber es war nie und nimmer einer.» Sein Trainer Bruce Arena, der in Pablo Mastroeni und Eddie Pope auf zwei Gesperrte verzichten musste, sah das genauso: «Wenn man bei jeder Berührung im Strafraum pfeifen würde, gäbe es in jedem Spiel 15 Elfmeter. Es ist sehr hart, damit fertig zu werden.» Das Abwehrbollwerk der Amerikaner wurde ausgerechnet durch einen fatalen Fehler ihres Kapitäns Claudio Reyna gesprengt. 30 Meter vor dem Tor vertändelte der frühere Bundesligaprofi den Ball an Draman, der dem Gladbacher Kasey Keller im US-Tor mit einem Schlenzer ins lange Eck keine Abwehrchance ließ. Der auch bei seinem dritten WM- Einsatz wieder souveräne Merk hatte bei dem Zweikampf kein Foul entdeckt. Reyna allerdings zog sich bei dem Zusammenprall eine Knieverletzung zu und wurde in der 41. Minute humpelnd ausgewechselt. Reynas Aus war ein Signal für seine Kollegen, die zwei Minuten später den Ausgleich schafften. Derek Boateng hatte den Ball fahrlässig verloren und Beasley die Chance zur Flanke eröffnet, die Dempsey kompromisslos zu seinem 6. Tor im 23. Länderspiel nutzte. Die Freude freilich währte kurz. Als Oguchi Onyewu in der Nachspielzeit der ersten Hälfte Pimpong umrempelte, konnte Merk nur auf Strafstoß entscheiden, den Appiah sicher verwandelte. «Wenn der Schiedsrichter pfeift, denke ich, dass es auch stimmt», sagte Appiah diplomatisch und ließ sich die Freude nicht vermiesen. Nach der Pause durfte auch der Mainzer Otto Addo für Unglücksrabe Boateng auflaufen und den größten Tag für Ghanas Fußball auf dem Rasen miterleben. Den hätte der Dortmunder Metthew Amoah (55.) schon perfekt machen können, aber Keller hielt großartig. Als Ghana allzu leichtfertig verteidigte, hätten Brian McBride per Hechtkopfball an den Pfosten sowie Carlos Bocanegra und Onyewu den Spieß binnen zwei Minuten fast noch umgedreht.
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