«Black Stars» entzaubern Tschechien - Otto Addo: «Zeichen für Afrika»
Köln (dpa) - 18.06.2006, 15:31 Uhr
Illiasu Shilla feiert seinen Treffer zur 1:0-Führung gegen Tschechien.
Der Schwarze Kontinent hat seinen Fußball-Stolz wieder. Den Freudentränen nahe sanken die Außenseiter aus Ghana nach ihrer 2:0 (1:0)-Gala gegen konsternierte Tschechen auf die Knie. Der erste WM- Sieg der «Black Stars» sorgte nicht nur auf der Tribüne des Kölner Stadions, sondern auch auf den Straßen in der Heimat für Jubelstürme. «Wir mussten ein Zeichen für Afrika setzen», sagte der Mainzer Bundesliga-Profi Otto Addo nach dem hoch verdienten Sieg über den Weltranglisten-Zweiten. Das sehenswerte Katz-und-Maus-Spiel mit dem WM-Mitfavoriten ließ die Kritik am bisherigen Auftreten der afrikanischen Mannschaften bei dieser WM verstummen. Nur der starken Form von Torhüter Petr Cech war es zu verdanken, dass die Tschechen im Angriffswirbel der Ghanaer nicht vollends untergingen. Bei aller Freude über den Sieg trauerte Addo den vielen vergebenen Chancen und dem möglichen Sprung auf den zweiten Platz der Gruppe E nach: «Nun müssen wir im letzten Vorrundenspiel gegen die USA unbedingt auf Sieg spielen. Aber vielleicht ist das auch besser so.»
Die Genugtuung über den historischen Erfolg des WM-Neulings entschädigte Ratomir Dujkovic für die jüngste Kritik an seiner bisherigen Arbeit. Eingehüllt in die Nationalflagge erschien der Coach aus Serbien zur Pressekonferenz. Sichtlich erleichtert philosophierte er über die Besonderheiten eines Trainerdaseins in Afrika: «Wir Trainer haben immer unsere Koffer gepackt. Nach dem 0:2 gegen Italien haben sie in Ghana meinen Kopf gefordert. Jetzt bin ich wieder der Held. Unser Job ist so: Der König ist tot, es lebe der neue König.» Schade nur, dass er im letzten Gruppenspiel auf seine famosen Torschützen Asamoah Gyan (2.) und Sulley Ali Muntari (82.) verzichten muss, die nach der zweiten Gelben Karte gesperrt sind. Vor allem der wieselflinke Gyan, der 2002 bei einem Probetraining bei Sparta Prag durchgefallen war, stürzte die erschreckend schwache Defensive der Tschechen von einer Verlegenheit in die nächste. «Wir haben wirklich von den vier Mannschaften unserer Gruppe die schlechtesten Chancen aufs Weiterkommen. Vermutlich muss ein Wunder geschehen», klagte Pavel Nedved. |