Großreinemachen in Irans Fußball
Leipzig (dpa) - 22.06.2006, 11:50 Uhr
Alle Maßnahmen des iranischen Trainers Branko Ivankovic verpuffen wirkungslos.
Die Generalabrechnung nach dem Vorrunden-Aus kam im Iran schneller als gedacht. Nur zwei Stunden nach dem 1:1 im letzten Spiel der Gruppe D bei der Fußball-WM gegen Angola in Leipzig wurde Verbandspräsident Mohammad Dadkan von der Regierung in Teheran entlassen. 60 Minuten zuvor hatte Trainer Branko Ivankovic persönlich die Konsequenzen aus dem schwachen Abschneiden der Perser gezogen und seinen Rücktritt erklärt. Er wusste nur zu gut, dass seine Zeit abgelaufen ist und der Rausschmiss nur eine Frage von Minuten sein konnte. Ein Unentschieden und zwei Niederlagen, vor allem aber das Wie des frühzeitigen Scheiterns, war für das im Vorfeld als «bestes iranisches Team aller Zeiten» gefeierte Ensemble eine bittere, zum Teil peinliche Demütigung.
Ivankovic versuchte den Auftritt noch zu rechtfertigen. «Der Ausgang einer Partie hängt oft von winzigen Details ab. In diesem Fall fehlte uns halt das entscheidende Quäntchen Glück», meinte der Trainer. Eine gestörte Vorbereitung vor allem durch die langen Spielzeiten der Legionäre sowie Verletzungen und damit einhergehende Disharmonien im Spiel seien entscheidend gewesen. Der beim Hamburger SV unter Vertrag stehende Mehdi Mahdavikia sah den Anfang vom Ende im ersten Spiel gegen Mexiko. «Die Partie hat uns das Rückgrat gebrochen. Von der Qualität her sind wir besser», sagte Mahdavikia. Allerdings wurde in den ersten Analysen vergessen, dass es innerhalb der Mannschaft nicht stimmte. Die Diskussionen um den Einsatz von Kapitän Ali Daei, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist, Grüppchenbildung im Team und die fehlende Autorität und Rückendeckung Ivankovics im Land waren weitere schwerwiegende Probleme der Iraner, die nun vor einem Neuanfang stehen. Als Nachfolger von Ivankovic wird der Niederländer Arie Haan gehandelt, der den Spitzenclub Persepolis Teheran betreut. Doch nach der Entlassung Dadkans ist dies unsicher. Es mehren sich im Lande die Stimmen, dass ein iranischer Trainer das Amt übernehmen soll. |