Fan-Proteste in Paraguay - Karibik-Kicker raus
Kaiserslautern (dpa) - 21.06.2006, 14:03 Uhr
Brent Sancho sitzt nach dem Spiel gegen Paraguay enttäuscht auf dem Rasen.
Die Sieger erwartet in der Heimat ein heißer Empfang, die Verlierer eine Dauer-Party: Mit dem 2:0 (1:0) gegen WM-Neuling Trinidad und Tobago hat Paraguay seine Fans nicht über das enttäuschende Vorrunden-Aus hinweg trösten können. In der Hauptstadt Asuncion wurde zu einer Demonstration gegen Verbandspräsident Oscar Harrison aufgerufen. Dabei will sich die Volks-Seele ihrem Unmut über das Abschneiden der «Albirroja» öffentlich Luft verschaffen. «Ich denke nicht, dass die Leute mit Tomaten werfen werden. Aber sie sind richtig sauer», sagte Bayern Münchens Stürmer Roque Santa Cruz nach dem glanzlosen Erfolg der gescheiterten Südamerikaner. «Unser Traum vom Achtelfinale hat sich nicht erfüllt. Wir fahren enttäuscht nach Hause», erklärte der Neu-Dortmunder Nelson Valdez. Der Sieg durch ein Eigentor von Brent Sancho (25. Minute) und einen Treffer des eingewechselten Nelson Cuevas (86.) hatte nur noch statistischen Wert und konnte die aufgebrachten Fans nicht besänftigen. «Sie haben nur den Fußball. Für sie ist das Aus schwer zu ertragen», sagte Santa Cruz.
Als Schuldigen haben die Anhänger der «Albirroja» Trainer Anibal Ruiz ausgemacht, der nach der Ankunft in Asuncion mit großer Wahrscheinlichkeit zurücktreten wird. «Der Trainer sollte schleunigst verschwinden», forderte die Zeitung «Diario Popular». «Wir müssen das Ganze aufarbeiten. Danach werde ich mich zu meiner Zukunft äußern», sagte Ruiz. Das Blatt «Ultima Hora» kritisierte: «Der Trainer verpasst den geeigneten Moment zur Erklärung seines Rücktritts.» Als Weltmeister der Herzen haben sich dagegen die Karibik-Kicker aus dem Turnier verabschiedet. Nach dem Abpfiff genossen sie auf einer Ehrenrunde trotz der verpassten Sensation die Ovationen der 46 000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion. «Die Fans hier waren fantastisch, in der Heimat feiern sie sowieso jeden Tag. Ich fliege mit meinen Jungs erhobenen Hauptes nach Hause und feiere dort ausgiebig. In zwei Wochen komme ich dann zurück», kündigte der bei Waldhof Mannheim in der Oberliga spielende Evans Wise an. |