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Weltmeister der Herzen nehmen Abschied von der WM

Kaiserslautern (dpa) - 21.06.2006, 12:50 Uhr

Brent Sancho sitzt nach dem Spiel gegen Paraguay enttäuscht auf dem Rasen.
Brent Sancho sitzt nach dem Spiel gegen Paraguay enttäuscht auf dem Rasen.

Die Sieger erwartet in der Heimat ein unterkühlter Empfang, die Verlierer eine Dauer-Party: Mit dem 2:0 (1:0) gegen WM-Neuling Trinidad und Tobago hat Paraguay seine Fans zwar etwas besänftigen, aber nicht über das enttäuschende Vorrunden- Aus hinweg trösten können.

«Ich denke nicht, dass die Leute mit Tomaten werfen werden. Aber sie sind richtig sauer», sagte Bayern Münchens Stürmer Roque Santa Cruz nach dem glanzlosen Erfolg der gescheiterten Südamerikaner. «Unser Traum vom Achtelfinale hat sich nicht erfüllt. Wir fahren enttäuscht nach Hause», erklärte der Neu-Dortmunder Nelson Valdez. Der Sieg durch ein Eigentor von Brent Sancho (25.) und einen Treffer des eingewechselten Nelson Cuevas (86.) hatte nur noch statistischen Wert und konnte den Frust der Fans kaum abbauen. «Sie haben nur den Fußball. Für sie ist das Aus schwer zu ertragen», sagte Santa Cruz.

Als Schuldigen haben die Anhänger der «Albirroja» Trainer Anibal Ruiz ausgemacht, der nach der Ankunft in Asuncion mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Hut nehmen wird. «Wir müssen das Ganze aufarbeiten. Danach werde ich mich zu meiner Zukunft äußern», sagte Ruiz. Mit Sicherheit endet die Ära der Altstars um Kapitän Carlos Gamarra und Regisseur Roberto Acuna.

Als Weltmeister der Herzen haben sich dagegen die Karibik-Kicker aus dem Turnier verabschiedet. Nach dem Abpfiff genossen sie auf einer Ehrenrunde trotz der verpassten Sensation die Ovationen der 46 000 Zuschauer im Fritz-Walter-Stadion. «Die Fans hier waren fantastisch, in der Heimat feiern sie sowieso jeden Tag. Ich fliege mit meinen Jungs erhobenen Hauptes nach Hause und feiere dort ausgiebig. In zwei Wochen komme ich dann zurück», kündigte der bei Waldhof Mannheim in der Oberliga spielende Evans Wise an.

In dem nur 1,3 Millionen Einwohner zählenden Insel-Staat werden die Schützlinge des niederländischen Trainers Leo Beenhakker dank ihrer couragierten Auftritte längst als Helden verehrt. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Auftreten meiner Mannschaft. Die Spieler haben mit Stolz und Leidenschaft gespielt», lobte der Coach.

Dwight Yorke zog ebenfalls ein positives Fazit, obwohl dem Neuling auch im dritten Anlauf das erste WM-Tor verwehrt blieb. «Ich bin stolz, Kapitän dieser fantastischen Mannschaft zu sein. Es ist ein Traum, hier zum ersten Mal dabei gewesen zu sein», sagte der frühere Profi von Manchester United. Die WM bezeichnete er als einen Höhepunkt seiner Karriere. «Vielleicht war es das letzte Mal, dass ich für mein Land gespielt habe. Daher ist dies ein sehr emotionaler Tag für mich gewesen», sagte der 34-Jährige.


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