Leo Beenhakker liebt seine «Mission impossible»
Köln (dpa) - 20.06.2006, 12:39 Uhr
Leo Beenhakker beantwortet bei einer Pressekonferenz die Fragen der Journalisten.
Seine Mission schien aussichtslos, und gerade das hat Leo Beenhakker gereizt. «Ich genieße es, noch einmal bei einer Weltmeisterschaft zu sein, wer hätte uns das schon zugetraut», sagt der 63 Jahre alte Niederländer, seit 14 Monaten Chefcoach von Trinidad und Tobago. Er übernahm das Team in der Qualifikation, als es mit dem Rücken zur Wand stand und entfachte in dem 1,3 Millionen- Einwohner-Inselstaat eine regelrechte Fußball-Euphorie. «Er hat unsere Leidenschaft für den Fußball geweckt und das Team auf den Punkt vorbereitet», sagt der einzige Starspieler, Dwight Yorke, über seinen Nationalcoach. Das Rezept des Wandervogels, der in den vergangenen Jahren das Nationalteam von Saudi-Arabien, in Mexiko, Spanien, der Türkei und der Schweiz trainierte, liegt in fleißiger Trainingsarbeit und Disziplin. Dabei respektiert er die jeweiligen kulturellen Eigenheiten. So dröhnen beim Training der «Soca Warriors» aus großen Lautsprechern die Klänge von Bob Marley.
Der ehemalige Bondscoach weiß, dass man die stets gut gelaunten Karibik-Kicker auch nicht ständig einsperren oder kontrollieren kann und handhabt den Ausgang während der WM locker. Doch der schlaue Beenhakker ging nicht etwa in eine Großstadt, wo das Partyleben die Musik-Verrückten lockt, er wählte das beschauliche Rotenburg an der Wümme, wo die Spieler freiwillig im Hotel blieben. Nach 42 Jahren Trainerarbeit - er hat seine Stationen nicht gezählt - kann Beenhakker immer noch nicht vom Fußball lassen und wirkt auch nicht verbraucht. Für ihn sind Journalisten keine Feinde, und auf Pressekonferenzen hält er Monologe mit Spitzen gegen Konkurrenten und Kollegen. «Haben sie eine Stunde Zeit?» antwortete er kürzlich auf die Frage, wie dem deutschen Fußball zu helfen sei. Und bei der Erklärung, warum er beim 0:0 gegen Schweden einen weiteren Stürmer brachte, statt die Abwehr zu stabilisieren, freute er sich über sich selbst: «Es war so herrlich verrückt und hat geklappt.» Nach der WM, die in dem Cricket-begeisterten Land eine Riesen-Begeisterung entfacht hat, liegt für Beenhakker ein unterschriftsreifer Vertrag vor. «Wenn das Turnier zu Ende ist, werde ich meine Zukunft planen», antwortet er lapidar. Der Job schien ihm bisher zu gefallen, zumal er gern reist. «So viele Bonusmeilen wie in den letzten Monaten habe ich mir noch nie verdient», scherzte der Holländer auf die Frage, wie er seine Nationalspieler zusammengesucht habe. Fraglich ist, ob Beenhakker seine «Mission Impossible» fortsetzen will, denn die Beobachtung der Spieler beim FC Sydney, Wrexham FC oder L.A. Galaxy (USA) ist extrem anstrengend.
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