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Togos «Kapitän» Pfister will noch nicht von Bord

Wangen im Allgäu (dpa) - 25.06.2006, 14:34 Uhr

Otto Pfister gestikuliert heftig beim Spiel Togos gegen Frankreich.
Otto Pfister gestikuliert heftig beim Spiel Togos gegen Frankreich.

Er war einer der gefragtesten Trainer dieser WM. Doch Otto Pfister blieb beim medialen Sturm inmitten des Prämienstreits, dem Rücktritt vom Rücktritt und dem ihm unterstellten Alkoholproblem meist einsilbig.

Der wochenlange Wirbel um das Chaos in Togos Fußball war für ihn «Tralala» und meist hatte der 68-jährige Deutsche nur ein «kein Kommentar» für die Fragesteller übrig. Während die meisten Spieler des nach drei Niederlagen ausgeschiedenen Teams nach und nach aus dem Mannschaftshotel Waltersbühl in Wangen im Allgäu abreisen, will «Kapitän Pfister» erst als letzter Mann die Brücke verlassen.

«Ich verhalte mich so, wie das sein muss. Wenn der letzte Spieler abgereist ist, dann fahre auch ich nach Hause», sagt Pfister, der sich in den vergangenen Wochen wie der Kapitän auf der Titanic vorgekommen sein muss. «Ich bin nervlich sehr belastbar. Ich schüttle Probleme schnell ab», sagte der gebürtige Kölner am Sonntag der dpa in Plauderlaune. Dass der Trainer eines Außenseiters über Wochen im Fokus steht, mag ihn überrascht haben, missfallen hat es ihm wohl nicht. «Ich kam mir teilweise ja vor wie im Zirkus Knie. Ich schaue in den Teletext, schlage die Zeitung auf und sehe immer meinen Namen.» Sein Schweizer Trainerkollege Köbi Kuhn bemerkte zu Pfisters Spiel mit den Medien: «Er spielt auf allen Klaviaturen.»

Seine eigene Zukunft lässt der gewiefte Taktiker noch weitgehend im Dunkeln. Er habe vom togoischen Verbandspräsidenten das Angebot bekommen, seinen auslaufenden Vertrag um zwei Jahre zu verlängern. «Aber ich werde knallharte Konditionen stellen. Keine finanziellen, sondern in der Administration», sagt Pfister und vergisst keineswegs, ihm vorliegende Offerten aus Kairo, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten zu erwähnen. Stolz berichtet er auch von den vielen Angeboten an seine Spieler, «wegen deren Nominierung ich kritisiert wurde». So habe Mohammed Kader ein «Millionen-Angebot aus Katar», Richard Forson werde in die Türkei wechseln, und der Leverkusener U19-Spieler Assimiou Tourè «hat eine große Zukunft vor sich, wenn er richtig geleitet wird».

Nach dem ganzen Stress soll nun auch wieder Pfisters Familie zu ihrem Recht kommen. «Ich freue mich, mal durchzuatmen, und mit meiner Familie ein paar Tage Urlaub zu verbringen», sagt der oft ruhelose Deutsche mit Wohnsitz in der Schweiz. Zu lange jedoch will er es sich nicht gemütlich machen, sondern «möglichst viele» WM-Spiele im Stadion erleben. «Ich kann nicht daheim sitzen und nichts machen. Es muss einfach immer etwas los sein. Das ist meine Welt.»


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