Nach der Schlafnummer von Kaiserslautern soll der Ruf des «gallischen Hahns» das Aragonés-Team nun aus der Lethargie reißen. «Die eigentliche WM beginnt jetzt erst», feuerte der Coach seine Spieler vor der Partie gegen Frankreich an. «Ich bin sicher, dass wir weiterkommen werden.» Juan Carlos werde noch genug Gelegenheiten bekommen, den Spaniern bei der WM Glück zu bringen. Dem Rivalen aus dem Nachbarland wäre Aragonés allerdings am liebsten aus dem Wege gegangen, denn die Franzosen sind für die Spanier so etwas wie ein Angstgegner. Zwei Daten der Vergangenheit sind in Spanien unvergessen: Im Juni 2000 schaltete Frankreich die Spanier im Viertelfinale der Europameisterschaft mit 2:1 aus. 1984 gewannen die Franzosen das EM-Finale gegen den Nachbarn 2:0, nachdem der spanische Keeper Luis Miguel Arconada mit einem kapitalen Fehler Michel Platini zum Führungstor verholfen hatte. Die Madrider Presse forderte nun: «Rache für Arconada». Die Spanier dürften gut ausgeruht sein, nicht nur weil das Team der «Roten» im Durchschnitt fünf Jahre jünger ist als die «Veteranentruppe» um Zinédine Zidane & Co. Gegen Saudi-Arabien hatte Aragonés elf Ersatzleute aufgeboten in der Hoffnung, dass der eine oder andere sich für die Stammformation aufdrängen würde. «Macht mir die Wahl schwer!», hatte er von den Reservisten verlangt. Diese taten ihrem Trainer jedoch nicht den Gefallen. «Die Saudis hätten ein Remis oder sogar einen Sieg verdient gehabt», musste der Trainer einräumen. Nach der Blamage der Reservisten bereitet dem Coach die Aufstellung für das Achtelfinale wenig Kopfzerbrechen. Torjäger David Villa (FC Valencia) fürchtete, seinen Platz an Raúl abtreten zu müssen, aber nun muss der Katalane Luis García weichen. Raúl hat mit den Franzosen noch eine besondere Rechnung offen. Bei Spaniens 1:2-Niederlage bei der EM 2000 schoss er in der Schlussminute einen Elfmeter in die Wolken. Das Missgeschick war für den tragischen Helden schon schlimm genug. Was noch schwerer wog: Der französische Torwart Fabien Barthez verhöhnte den unglücklichen Schützen obendrein. Dies soll Raúl tief in seinem Stolz verletzt haben.
 |