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Frankreichs «blauer Zug» nimmt Fahrt auf

Köln (dpa) - 24.06.2006, 14:07 Uhr

Patrick Vieira (l, Nr.4) erzielt das erlösende 1:0 für Frankreich im Spiel gegen Togo.
Patrick Vieira (l, Nr.4) erzielt das erlösende 1:0 für Frankreich im Spiel gegen Togo.

Mit etwas Verspätung hat der «blaue Zug» der Franzosen durch den 2:0 (0:0)-Sieg über Togo bei der Fußball-WM doch noch Fahrt aufgenommen.

Nach den Stolper-Vorstellungen gegen die Schweiz (0:0) und Südkorea (1:1) qualifizierte sich der frühere Weltmeister nicht nur auf den letzten Drücker für das Achtelfinale, sondern radierte zugleich auch das Trauma des torlosen Vorrunden-K.o. von vier Jahren in Südkorea aus. «Wir haben 2002 endgültig hinter uns gelassen», sagte Frankreichs neuer Rekord-Nationalspieler Lilian Thuram, der gegen Togo sein 117. Länderspiel absolvierte.

Das kollektive Aufatmen über die vermiedene erneute Blamage des Champions von 1998 war im ganzen Land zu spüren. «Das tut gut! Welche Erleichterung!», titelte die Sportzeitung «L'Équipe». «Le Parisien» schrieb: «Das ist geschafft. Die französische Mannschaft hat ihre Mission erfüllt», und «Libération» sprach von einem «Stück blauen Himmels. Die Generation Zidane lebt noch».

Dem zuvor heftig kritisierten Trainer Raymond Domenech ist der plötzliche Stimmungswandel jedoch suspekt, so dass er jegliche Euphorie bremste. «Wir haben exakt das getan, was getan werden musste, nämlich mit zwei Toren Differenz gegen Togo zu gewinnen. Mehr nicht. Ich bin zwar auch erleichtert, aber das war nur eine Etappe auf unserem weiteren Weg», meinte der 54-Jährige relativ emotionslos.

Ins Schwärmen geriet Domenech allerdings über seinen Matchwinner Patrick Vieira. Der für den gesperrten Zinédine Zidane als Kapitän aufgelaufene Mittelfeldspieler von Juventus Turin erzielte nicht nur den erlösenden ersten Treffer (55.), sondern lieferte auch die Kopfball-Vorlage zum 35. Länderspieltor von Thierry Henry (61.) «Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, wenn er gut vorbereitet ist, dann wird er einer der ganz großen Spieler dieser WM werden», meinte Domenech, der den zum «Spieler des Spiels» gewählten 1,92 Meter-Mann vor dessen Kritikern immer in Schutz genommen hatte.


Für Vieira, der sich in seinem 90. Länderspiel selbst das größte Geschenk zu seinem 30. Geburtstag machte, war der erste WM-Sieg der «Blauen» seit dem 3:0-Finaltriumph vom 12. Juli 1998 gegen Brasilien wie ein Befreiungsschlag. «Ich hoffe, das war die Initialzündung, dass wir bei diesem Turnier noch sehr weit kommen», meinte Vieira. In Zidane-Ersatz Franck Ribéry hatte Vieira einen Kämpfertypen zur Seite, der das 1:0 vorbereitete und die beiden erstmals seit 2003 wieder nebeneinander stürmenden Henry und David Trezeguet in Szene setzte. Mit seiner Dynamik ließ er Zidane fast vergessen.

Um dem Blitzlichtgewitter auf der Reservebank zu entgehen, hatte sich der «Maitre» in die Katakomben des Stadions zurückgezogen, wo er die Partie am Fernsehschirm verfolgte. Auch er atmete auf - garantiert doch der Einzug ins Achtelfinale, dass er weiter im Turnier bleibt und seine große Karriere nicht als ausgewechselter Kapitän gegen Südkorea auf solch entwürdigende Weise beenden musste.

Ob Zidane gefehlt habe, wurde Domenech schließlich gefragt. «Ich könnte Ja sagen, ich könnte Nein sagen», meinte der Coach in seiner bisweilen rätselhaften Wortwahl. Ein Lenker wie Zidane würde dem Team gegen einen so starken Achtelfinalgegner wie Spanien gut zu Gesicht stehen. «Das Spanien von heute ist etwas anderes als Togo und Südkorea zusammen», warnte «L'Équipe».

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