Kleine Schweiz ganz stolz - Rekord für Zuberbühler
Hannover (dpa) - 24.06.2006, 15:40 Uhr
In Zürich feierten die Menschen in den Straßen ihre «Nati».
Rechtzeitig zur Europameisterschaft 2008 im eigenen Land hat sich die Schweiz im Konzert der großen Fußball-Nationen zurückgemeldet. «Das Gerede von der kleinen Schweiz kann man langsam vergessen, oder nicht?», fragte Pascal Zuberbühler mit einem spitzbübischen Lächeln. Der Torhüter der Eidgenossen hielt beim 2:0 gegen Südkorea zum dritten Mal seinen Kasten sauber und hatte großen Anteil daran, dass sich die «Nati» als einzige der 32 WM-Mannschaften ohne Gegentor für das Achtelfinale qualifizierte. Nun wartet in Köln die Ukraine. «Das ist fantastisch. Ich bin stolz auf unsere Leistung und auf unsere Fans. Jetzt ist alles möglich», sagte der Schlussmann des FC Basel. Der Ex-Leverkusener, der während seiner kurzen Bundesliga-Zeit als «Fliegenfänger» eingestuft wurde, war auch ein bisschen stolz auf den Turnier-Rekord. «Dass ich der einzige Torhüter bin, der in der Vorrunde kein Tor kassierte, ist das i-Tüpfelchen. Das Kompliment gebe ich aber an die Defensive und an das ganze Team weiter», sagte der 1,97 m lange Torwart-Riese. «Zu Null» hatte zuletzt WM-Gastgeber Italien 1990 die Vorrunde im eigenen Land beendet.
Dennoch war die Schweizer Abwehr gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Südkoreaner nicht immer sattelfest. «Es gab Momente, da mussten wir leiden. Wir haben hinten auch Chancen zugelassen, aber keine Tore», bilanzierte der glückliche und dankbare Trainer Jakob «Köbi» Kuhn. Der 62 Jahre alte Coach hat nun zwei Tage Zeit, seine junge Mannschaft auf das 51. Länderspiel unter seiner Regie vorzubereiten. «Es ist schwer, nach so einem intensiven Spiel wieder frisch zu werden. Die Ukraine ist mindestens im Angriff Weltklasse», warnte Kuhn vor Schewtschenko und Co. Die Tore von Abwehrspieler Philippe Senderos (Arsenal London), der später mit einer ausgekugelten Schulter ausgewechselt werden musste und nicht gegen die Ukraine spielen kann , und Alexander Frei (Stade Rennes) versetzten nicht nur rund 25 000 Schweizer Fans im WM-Stadion Hannover in einen roten Rausch. Auch in Zürich, Bern, Basel und Genf strömten Tausende spontan auf die Straßen. «Da laufen plötzlich Leute mit roten Leibchen herum, die sich nie für Fußball interessiert haben. Selbst 80-Jährige drücken uns die Daumen und schreiben uns Briefe», beschrieb Kuhn ein kleines Land im Jubel-Zustand. |
Daniel Gygax, der nach einem Bluterguss in der Bauchmuskulatur im letzten Vorrundenspiel pausieren musste, macht im Gegensatz zu Senderos Fortschritte. Der 24 Jahre alte Offensivspieler vom OSC Lille steht gegen die Ukraine möglicherweise wieder zur Verfügung. Torschütze Frei brachte die Stimmung in der WM-Mannschaft und in der Heimat auf den Punkt. «Wir sind nicht mehr die kleine, unbedeutende Schweiz. Ich bin stolz, dass ich als angeblich nur durchschnittlicher Fußballer Mitglied eines der 16 besten Teams der Welt bin», sagte der von Borussia Dortmund umworbene Stürmer. «Unser Ziel war das Achtelfinale. Das haben wir erreicht. Ab jetzt brauchen wir Glück.» Die Südkoreaner, vor vier Jahren im eigenen Land noch eines der vier besten Teams der Welt, verließen die WM in Deutschland mit leeren Händen. Nicht alle hakten das Turnier so schnell ab wie Torhüter Lee Woon-Jae. «Das Spiel ist vorbei, und wir müssen uns auf die nächste WM vorbereiten. So einfach ist das», sagte der Keeper. Trainer Dick Advocaat ließ seine Zukunft bei den Asiaten offen. «Ich bin zu enttäuscht, um darüber zu sprechen. Ich werde darüber in Ruhe nachdenken», sagte der niederländische Coach.
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