Kroaten hadern mit eigener Nachlässigkeit
Stuttgart (dpa) - 23.06.2006, 14:02 Uhr
Trainer Zlatko Kranjcar versucht seine Mannschaft gegen Australien wachzurütteln.
Niedergeschlagen, enttäuscht, aber auch selbstkritisch: Dem Vorrunden-Aus bei der dritten WM-Teilnahme ließen die kroatischen Fußball-Nationalspieler zumindest eine ehrliche Analyse folgen. «Wir haben zu abwartend gespielt und uns zu sehr auf unser Glück verlassen», erklärte Trainer-Sohn Niko Kranjcar nach dem 2:2 (1:1) gegen Australien in Stuttgart. Während die «Socceroos» nun im Achtelfinale auf Italien treffen, muss die Balkan-Elf als Dritter der Vorrundengruppe F wie bereits 2002 frühzeitig die Heimreise antreten. Wegen der zu passiven Vorstellung wurde sie auch von der heimischen Presse hart kritisiert. «Kroatien besaß bei dieser WM nur Maurer und keine Spiel- Architekten», schrieb «Jutarnji list», nachdem der Traum von einem Erfolg wie 1998 frühzeitig ausgeträumt war. Damals war die Mannschaft Dritter geworden, hatte aber noch Stars wie Zvonimir Soldo, Davor Suker oder Robert Prosinecki in den Reihen.
Der frühere Spielmacher Prosinecki (37) stand nach dem Abpfiff hinter der Haupttribüne des Gottlieb-Daimler-Stadions und schüttelte den Kopf. «Zu diesem Spiel sage ich nichts», meinte er mit einer abwehrenden Handbewegung. «Total niedergeschlagen» war Mittelfeldspieler Darijo Srna, nach dessen Freistoß zum 1:0 in der 3. Minute sich die Elf vom Balkan schon auf der Siegerstraße wähnte. «Aber wir haben dann zu defensiv gespielt.» Das zwischenzeitliche 2:1 erzielte Niko Kovac (56.), für den zweimaligen Ausgleich sorgten Craig Moore per Handelfmeter (39.) und der starke Harry Kewell (79.). Zudem wurden Australien zwei weitere klare Elfmeter verweigert. Trainer Zlatko Kranjcar nannte das Ergebnis zwar eine «Tragödie», führte das frühe WM-Aus aber hauptsächlich auf die zweite Partie gegen Japan zurück. «Da hätten wir uns den zweiten Platz schon sichern können, ließen aber zu viele Torchancen aus. Über meine Vertragsverlängerung werde ich mich in den nächsten Tagen äußern.»
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