Schonfrist für Trainer von Polen und Costa Rica
Hannover (dpa) - 21.06.2006, 15:57 Uhr
Guimaraes verlässt nach der Niederlage seines Teams gegen Polen das Feld.
Die WM-Verlierer erhalten nur eine kurze Schonfrist. Polens Trainer Pawel Janas bleibt nach dem frühen WM-Aus vorerst ebenso im Amt wie Alexandre Guimaraes bei Costa Rica - doch schon geriet im Nachbarland das Scheitern zur Staatsangelegenheit. Ministerpräsident Kazimierz Marcinkiewicz forderte ultimativ einen tief greifenden Wandel im polnischen Fußball und drohte mit einem Eingreifen der Regierung. Wenn der polnische Fußball-Verband bis spätestens Dezember keine Änderungen vorgenommen habe, werde die Regierung einschreiten, sagte der Premier im Rundfunk. Die polnische Mannschaft sei «nicht für eine WM geeignet» gewesen, schimpfte Marcinkiewicz. Die Trainingsbedingungen für die Jugend müssten verbessert, die Sportschulen gefördert werden. Derweil machen die polnischen Medien trotz des 2:1-Erfolges über Costa Rica weiter Stimmung gegen den umstrittenen Janas. «Es ist höchste Zeit für eine Änderung», forderte das Boulevardblatt «Super Express». «Mit diesem Trainer kann man nicht weitermachen.» Auch die polnischen Fans im WM-Stadion in Hannover bezogen klar Stellung: Mit wüsten Ausdrücken beschimpften sie Trainer und Verbandsführung - und wünschten sie zum Teufel.
Zurücktreten will Janas aber nicht. «Wir haben nicht unser Gesicht verloren. Ich glaube, wir haben noch eine gemeinsame Zeit vor uns», sagte der 53-Jährige. «Wie es in Zukunft weitergeht, entscheidet der Verband.» Präsident Michal Listkiewicz hat bereits einen Termin für den «Showdown» benannt: «Am 14. Juli wird eine Entscheidung fallen.» Der Trainer muss für das Treffen einen WM-Report schreiben. Verbandschef Listkiewicz, der als Janas-Freund gilt, stärkte dem Coach den Rücken. «Nach der WM 2002 haben wir einen neuen Trainer geholt, aber das hat auch nichts gebracht», sagte er nach dem Sieg im bedeutungslosen Spiel gegen Costa Rica. Unklar ist, ob es auch in der Mannschaft zu einem personellen Neuanfang kommt. «Es wird weiter gehen, aber wir wissen nicht genau wie», sagte Borussia Dortmunds Stürmer Ebi Smolarek. «Ich denke, ein paar Spieler werden aufhören, vor allem ältere.» Bisher hat aber niemand seinen Rücktritt erklärt. |