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Oranje strebt nach schönem Ergebnisfußball

Frankfurt/Main (dpa) - 21.06.2006, 13:42 Uhr

Bondscoach Marco van Basten spricht bei einer Pressekonferenz.
Bondscoach Marco van Basten spricht bei einer Pressekonferenz.

Unter der Leitung von Marco van Basten hat sich der niederländische Fußball vom Hurra-Stil früherer Zeiten verabschiedet. «Totaal Voetbal» (Fußball total) - so lautet das traditionelle Motto der Oranje-Kicker.

Und dieser Schriftzug ziert auch jetzt die orangefarbenen Fußballschuhe von Chelsea-Stürmer Arjen Robben. Doch seit Bondscoach van Basten die Elftal vor zwei Jahren übernahm, hat sich ein Sinneswandel vollzogen. Die Holländer jagen nicht mehr nur ihrer Idealvorstellung von schönem und attraktivem Offensiv-Fußball hinterher - sie wollen damit auch gewinnen.

Noch ist die viel gepriesene Mischung aus erfahrenen Profis (van der Sar, Cocu, van Bronckhorst, van Nistelrooy) und Top-Talenten (Robben, van Persie, Sneijder, van der Vaart) auf der Suche nach der richtigen Balance. Van Basten räumt ein, dass die Elf bei den beiden schmucklosen Vorrunden-Siegen gegen Serbien-Montenegro (1:0) und die Elfenbeinküste (2:1) seine Vorstellung vom perfekten Konzeptfußball nur in Ansätzen umsetzen konnte. «Wir wollen immer attraktiv nach vorn spielen. Aber das ist uns nur phasenweise gelungen», analysierte der 41-Jährige. Vor allem gegen die Afrikaner habe man es trotz der 2:0-Führung nicht geschafft, Ball und Gegner weiter zu beherrschen. «Es gab Momente, in denen wir das Spiel nicht kontrollieren konnten. Aber wir arbeiten jeden Tag daran, dass diese Phasen kürzer werden.»

Gleichwohl ist das traditionelle 4-3-3-System bei dieser WM bisher erfolgreich. Wenige zauberhafte Augenblicke und drei schöne Tore durch die Stürmer Arjen Robben, Robin van Persie und Ruud van Nistelrooy reichten, um in der schweren Gruppe C souverän in das Achtelfinale einzuziehen. Die Elftal ist zwar weit entfernt vom Champagner-Fußball früherer Generationen, spielt aber dank ihres Teamgeistes effektiv. Dennoch ist van Basten längst nicht zufrieden: «Wir müssen in einigen Situationen sachlicher und abgeklärter auftreten.»

Früher seien die Niederlande bekannt dafür gewesen, «besonders schön zu spielen, aber nicht immer zu gewinnen. Das müssen wir anders machen», pries Rafael van der Vaart die Abkehr vom ungezügelten Hurra-Stil. Inzwischen beherrsche man «die Kunst der Verteidigung» ebenso. Nach der Partie gegen Didier Drogba & Co. meinte dessen HSV- Kollege Khalid Boulahrouz: «Heute haben wir gezeigt, dass wir auch kämpfen können.» Van Basten meinte stolz: «Alle sind zusammengerückt und haben gefightet. Und wir haben unser Ergebnis bekommen.»


Orgien in Orange, wie unter Trainer-Legende Rinus Michels in der Cruyff-Ära in Szene gesetzt, gehören offenbar der Vergangenheit an. Das Team sei weiter «auf der Suche nach dem Schönen», kritisierte die Zeitung «De Volkskrant» die bisher wenig begeisternden WM-Auftritte. Doch der 35 Jahre alte Torhüter Edwin van der Sar kann mit den hohen Erwartungen in der Heimat nicht viel anfangen: «Oranje muss nicht immer brillant spielen. Ich ziehe es vor zu gewinnen.»

Bisher ging das Konzept auf. Von 23 Länderspielen seit van Bastens Amtsantritt gewann die Elftal 16, kassierte nur eine Niederlage beim Test gegen Italien (1:3) im November 2005. In den zwölf Monaten zuvor hatte das Team elf Mal hintereinander zu Null gespielt. Laut van der Sar kam der Dämpfer gegen Italien zur rechten Zeit: «Die Fans dachten schon, wir wären Weltmeister.» Doch bis dahin ist es ein weiter Weg.

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