«Tri»-Trainer Suárez träumt vom Titel
Berlin (dpa) - 19.06.2006, 18:41 Uhr
Ecuadors Nationaltrainer Luis Fernando Suarez.
Für Ecuador steht im Fußball-ABC in Berlin der Großbuchstabe «D» auf dem Stundenplan. Die Südamerikaner wollen gegen WM-Gastgeber Deutschland unbedingt gewinnen, um die Gruppe A als ungeschlagener Erster abzuschließen. Damit könnten sie dem großen «E» wie England im Achtelfinale möglichst aus dem Weg gehen. «Gegen Deutschland haben wir vor lauter Deutschen im Stadion die beste Gelegenheit, der Welt unser Können zu zeigen», sagte der «Tri»-Trainer nach dem Abschlusstraining seines Teams im WM-Stadion und gab damit dem Kampf um Platz 1 eine zusätzliche Bedeutung. «In der WM-Qualifikation haben wir zu Hause Argentinien und Brasilien besiegt», verwies Suárez auf die Fähigkeit seiner Schützlinge, den ganz Großen durchaus Paroli bieten zu können. «Jetzt wollen wir auch Deutschland bezwingen. Nur wenn man gegen die Großen gewinnt, kann man von sich behaupten, guten Fußball zu spielen.»
Der beißende Spott, die Ecuadorianer könnten nur in der dünnen Höhenluft der Anden gegen starke Mannschaften bestehen, hat Suárez und die Seinen stark verletzt. Nach ihren beiden WM-Erfolgen über Polen (2:0) und Costa Rica (3:0) wollen sie nun gegen den zum erweiterten Kreis der Titelkandidaten zählenden dreimaligen Weltmeister beweisen, dass sie auch im Tiefland zu Höhenflügen fähig sind. Fußball-Ikone Pelé hat den zuvor von vielen belächelten Außenseiter nicht von ungefähr zu «einem Geheimfavoriten» erklärt. «Wir sind auf einem guten Weg», zog Suárez vor der für den Gruppensieg entscheidenden Partie zufrieden Zwischenbilanz. «Mit dem Einzug in die K.o.-Runde haben wir unsere Pflicht erfüllt und unser erstes Ziel erreicht. Jetzt können wir das nächste angehen.» Die Gewissheit - entgegen aller Unkenrufe aus der Heimat - beim zweiten WM-Auftritt erstmals und dazu noch sicher im Achtelfinale zu stehen, hat das Selbstbewusstsein der sympathischen und bescheidenen Südamerikaner weiter gesteigert. Deutschland soll das am Dienstag (16.00 Uhr) zu spüren bekommen. «Ich will nicht über ihre Schwächen sprechen. Das gehört sich nicht», lehnte Suárez einen Kommentar zur deutschen Abwehrschwäche ab. |
«Wir wollen nicht herum taktieren. Wenn wir auf Remis spielen, verlieren wir vielleicht», kündigte der Chefcoach Offensive an. Dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Deutschland (5:0/5:2) würde der «Tri» ein Punkt zum ersten Platz genügen. Aber schließlich geht es Ecuador darum, der Welt zu zeigen, was es wirklich kann. Suárez und seine Asse verstehen sich auch als Botschafter des Andenstaates: «Mit einem Sieg würden wir weiter Werbung für unser Land machen.» Wesentlich mehr als an guter Werbung sind die Südamerikaner an der Verwirklichung ihres Wunschtraums interessiert. Weltmeister beim Bananenexport sind sie schon, jetzt würden sie gerne Fußball- Weltmeister werden. «Mein großer Traum ist das Finale», sagte Offensivverteidiger Ulises de la Cruz stellvertretend für seine Teamkollegen. «Wir kommen immer mehr in Schwung.» Selbst Suárez gab zu: «Mein Traum ist es, ins Finale einzuziehen - und dann gewinnen.» Noch habe die «selección» nicht ihr «größtes Ziel» erreicht. Deutschland soll als nächster Stolperstein aus dem Weg geräumt werden. «Das ist ein starker Gegner, aber wir können es schaffen», glaubt Stürmerstar Agustin Delgado. Suárez will erst am Spieltag entscheiden, welche Elf er aufbietet. Er kündigte aber «ein paar Wechsel» an, um Spieler zu schonen. Der gelb-belastete Torhüter Cristian Mora und der am Knöchel verletzte Torjäger Carlos Tenorio sind erste Kandidaten für eine Pause. Mit ihrem kompakten, konsequenten 4-4-2-System wollen die Ecuadorianer Michael Ballack & Co. in die Knie zwingen. Aber die «Tri» glaubt nicht nur an ihre eigenen Fähigkeiten, sondern auch an Beistand von oben. «Otilino wird uns vom Himmel aus zuschauen und mit uns unsere Erfolge genießen», sagte Ivan Kaviedes. Der Stürmer hatte nach seinem Treffer zum 3:0 gegen Costa Rica als Hommage an den im Mai 2005 tödlich verunglückten Mitspieler und Freund Otilino Tenorio eine «Spiderman»-Maske übergezogen, was dieser nach Treffern immer praktiziert hatte. Selbst Suárez setzt auf Otilinos Kräfte aus dem Jenseits: «Ich denke, er schaut uns zu und drückt uns die Daumen.»
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