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Ecuadors Hochland-Kicker beenden Tiefstapelei

Hamburg (dpa) - 16.06.2006, 11:10 Uhr

Die Ecuadorianer posieren vor dem Spiel gegen Costa Rica.
Die Ecuadorianer posieren vor dem Spiel gegen Costa Rica.

Nach dem historischen Triumph haben die Kicker aus dem Hochland der Anden ihre Tiefstapelei aufgegeben und vor dem für den Gruppensieg entscheidenden Spiel gegen Deutschland erstmals forsche Töne angeschlagen.

«Wir wollen noch weiter Geschichte schreiben», kündigte Ecuadors Trainer Luis Suárez stolz und glücklich nach dem erstmaligen Einzug ins WM-Achtelfinale an. «Mein Traum ist es, ins Finale zu kommen - und dann zu gewinnen. Das wäre sicher eine Riesenüberraschung, aber nichts ist unmöglich.» Stürmer-Star Agustin «Tin» Delgado sagte: «Gegen Deutschland wird es sicher schwierig. Aber wenn wir so weiter machen, ist noch vieles möglich.»

Der mit dem souveränen 3:0 über Costa Rica vorzeitig geschaffte Sprung in die K.o.-Runde der Fußball-Weltmeisterschaft hat in Ecuador und unter seinen auf der ganzen Welt lebenden Emigranten einen Freudentaumel ausgelöst. In Quito, Guayaquil oder Esmeraldas tanzten die Fans der «Tri» zu heißen Salsa-Rhythmen bis spät in die Nacht. «Welch ein leckeres Frühstück», schrieb das ecuadorianische Boulevard-Blatt «Extra» in Bezug auf die die Fernsehübertragung am Vormittag. «Die Torschützen Tenorio und 'Tin' besorgten die Eier, Kaviedes den Kaffee und Trainer Suárez die Milch.» Die Zeitung «El Comercio» beließ es bei einem bescheidenen: «Tausend Dank, Tri.»

Staatspräsident Alfrede Palacio würdigte die neuen Botschafter des Bananenexport-Weltmeisters pathetisch: «Im Namen unseres Landes, wir sind vereint und stolz und willens, ihrem Beispiel zu folgen. Es ist eine enorme Anstrengung, die uns eint.» Suárez, ein Kolumbianer, griff den Ball des Präsidenten auf und betrieb Werbung für den Anden- Staat: «Jetzt haben wir unser erstes Ziel erreicht. Aber wir haben noch größere Ziele. Unsere Erfolge sind gut für das Land. Am Dienstag haben wir gegen Deutschland die nächste Chance, uns in der ganzen Welt bekannt zu machen.» Mittelfeldmann Edwin Tenorio freute sich für alle Landsleute: «Dieser Triumph ist toll für Ecuador.»

Für den unter schwersten wirtschaftlichen Problemen leidenden südamerikanischen Staat ist der größte Erfolg in der 82-jährigen Geschichte des vor WM-Beginn vom Menschenhandel-Skandal erschütterten Fußball-Verbandes eine Befreiung, die sportliche Dimensionen weit übersteigt. Dank des bisherigen Höhenflugs seiner Spieler rückt Ecuador weltweit in den Blickpunkt. «Die großen Fußball-Nationen, die man aus Südamerika kennt, sind Brasilien und Argentinien», sagte der Coach. «Jetzt hat Ecuador die Chance, dazu zu stoßen.»


Für Suárez und seine Schützlinge ist der Erfolg zugleich eine Genugtuung für viele Schmähungen. Selbst Experten führten die zweite WM-Qualifikation nacheinander ausschließlich auf den Höhenvorteil Ecuadors zurück, das seine Heimspiele in der 2850 Meter hoch gelegenen Hauptstadt Quito austrug und dabei auch Rekord-Weltmeister Brasilien und Argentinien schlug. Auswärts glückte dagegen nur in dem noch rund 1100 Meter höher gelegenen La Paz gegen Bolivien ein Sieg.

«Wir haben gezeigt, dass wir in jeder Höhe bestehen können», konterte Delgado alle voreiligen Besserwisser und Spötter. Wie groß die Befreiung nach der Häme ist, verdeutlichte auch Suárez: «In Gelsenkirchen und jetzt Hamburg haben wir gezeigt, dass wir nicht nur in den Bergen punkten können.» In Berlin will die «Tri» das erneut beweisen.

«Wir denken gegen Deutschland nicht an ein Remis oder den ersten Platz. Wir wollen gewinnen und nicht groß taktieren», sagte der wie die meisten seiner Mitspieler tief gläubige Edwin Tenorio. «Mit Gottes Hilfe wollen wir nun möglichst weit kommen.» Sein nicht mit ihm verwandter Namensvetter Carlos meinte: «Wir bleiben bescheiden und wissen, dass wir nicht die Besten, aber auch nicht die Schlechtesten sind.» Der wie alle sportlich gedemütigten Costaricaner tief traurige Paulo Wanchope, gegen die Gastgeber noch zweifacher Torschütze, warnte: «Nicht nur Deutschland, jeder Gegner muss sich vor Ecuador in Acht nehmen.»

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