Weil nahezu jeder Fußballfan inzwischen beflaggt ist, kauft kaum noch jemand Fahnen. Kay Krüger ist eine Ausnahme. Er hat eine italienische und eine deutsche erstanden, für einen statt zwei Euro das Stück. «Die sind für meinen sechsjährigen Sohn», erklärt er. «Der hat schon vor der WM Fahnen gesammelt. Sie hängen rund um sein Hochbett.» Während bei Karstadt in Hamburg noch ein größerer Vorrat an saudi- arabischen und tunesischen Trikots (29,95 Euro) lagert, ist gegenüber bei Galeria Kaufhof so ziemlich alles in den ukrainischen und tschechischen Farben liegen geblieben - trotz drastischer Senkung der Preise. Trikots der Ukraine sind für 29 statt 65 Euro zu haben, Tschechien-T-Shirts für 8 statt 25 Euro. Trotzdem will sie niemand. Auch in der Nähe der bundesweit größten Fanmeile am Brandenburger Tor in Berlin hat das WM-Fieber spürbar nachgelassen. Im Laden «Berlin Story» Unter den Linden kosten die Fähnchen fürs Auto noch so viel wie vor dem Finale (2 Euro). Die T-Shirts im Länder-Look gibt es für 6 statt für 9 Euro. Viel sei nach der WM ohnehin nicht mehr da, berichtet ein Verkäufer. Bei «Butlers» an der Friedrichstraße muss man schon etwas suchen, um den «Rest vom Schützenfest» zu finden. Ein Fußball-Hemd baumelt in einer der hinteren Ecken an einem Regal, daneben eine Packung Kondome mit dem sinnigen Namen «Anstoß», beides zu reduzierten Preisen. Im Internet-Auktionshaus eBay floriert noch immer der Handel mit Panini-Bildchen. Reißenden Absatz finden auch WM-Fußbälle aus der goldenen Sonderedition für das Finale. Die «Teamgeist»-Exemplare mit Datum, Ort und Endspiel-Paarung vom 9. Juli wurden in begrenzter Auflage von 1600 Stück produziert. Wer einen Ball ergattern will, muss sich auf einen Wettstreit mit Geboten an die 1000 Euro einrichten. Im Laden kostete das gute Stück knapp 700 Euro und war ruckzuck ausverkauft. Kaum Interessenten fanden sich im Netz indes für benutzte VIP-Bändchen aus den WM-Stadien und einen schwarz-rot-goldenen Perlen-String für Herren. WM-Souvenirs kaufen und ein paar Jahre aufheben, lohnt sich auch nicht immer. Während ein Miniaturmannschaftsbus der Deutschen von 1974 als Rarität gehandelt wurde, wollte eine 32 Jahre alte Plastiktüte niemand mehr haben.
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