Angela Merkel schaute sich das Finale mit UN-Generalsekretär Kofi Annan (r) an.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Fußball-WM hofft Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf mehr Mut zur Umsetzung von Reformen.
Bleiben werde hoffentlich auch «die innere Kraft, die Probleme, die wir im Lande haben, selbstbewusst anzugeben», sagte Merkel in einem RTL-Interview. Die Bewunderung, die Deutschland erlebt habe, könne auch «unser Selbstbild kräftigen», fügte sie hinzu.
Nach Ansicht von Bundespräsident Horst Köhler ist die WM ein großer Gewinn für Deutschland. «Wir sind zwar nicht Weltmeister geworden, aber wir haben viel gewonnen bei dieser WM» sagte Köhler bei einem Empfang für die zum Finale angereisten ausländischen Staatsgäste. Die Welt habe mit Interesse und Sympathie auf Deutschland geschaut. «Und ich glaube, dass sogar wir Deutsche durch dieses Fußballfest einen neuen Blickwinkel auf unser Land bekommen haben.»
Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sieht das Ansehen Deutschlands im Ausland gestärkt. Im ARD-Morgenmagazin berichtete er von positiven Reaktionen ausländischer Politiker. «Fast alle haben den unverkrampften Umgang mit den nationalen Symbolen als einen Schritt zur Normalität bezeichnet.» Dies sei der beste Beweis dafür, «dass wir uns hier richtig und angemessen verhalten haben».
Nach Auffassung von Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner (SPD) hat die Fanbegeisterung zur Fußball-Weltmeisterschaft den Neonazis beim Patriotismus jeden Wind aus den Segeln genommen. «Es ist der normalen Bevölkerung gelungen, den Rechtsextremen die Fahnen zu entreißen», sagte Stegner in einem dpa-Gespräch. «Die deutschen Fahnen, die hier auch an den Autos und überall zu sehen waren, sind von der Bevölkerung zurückerobert worden.»
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) bedankte sich bei den Türken für die Unterstützung der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM. «Ich habe während der WM an türkischen Geschäften türkische und deutsche Fahnen nebeneinander gesehen, ich habe türkische Fans mit deutschen Fahnen gesehen», sagte Koch der türkischen Zeitung «Hürriyet». Auf den Fanfesten sei Integration gelebt worden. «Ich bin mir sicher, diese Weltmeisterschaft hat unserem Land gut getan.»
Auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, lobte das neue Nationalgefühl in Deutschland. Sie wünsche sich, dass es ebenso wie das innovative, frische Spiel des Klinsmann-Teams noch lange anhalte. «Ich habe selten ein natürlicheres Verhältnis eines Volkes zu seinem Land gesehen. Die selbstbewusste Leichtigkeit, mit der die Nationalfarben auf Wangen und um die Schultern getragen wurden, war einfach schön», sagte Knobloch.
Bundestrainer Jürgen Klinsmann kann nach Ansicht von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) kein Vorbild für die Politik sein. Ein Bundestrainer könne mutig und entschlossen handeln und sich als Reformer gegen viele Widerstände durchsetzen; die Politik sei aber «kein Sportverein, wo einer der Trainer ist und die anderen zu gehorchen haben», sagte der SPD-Politiker der «Saarbrücker Zeitung».