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Fanmeilen nach WM-Ansturm ein Modell mit Zukunft?

Berlin (dpa) - 10.07.2006, 16:16 Uhr

Polizisten beobachten das Fanfest in Hannover.
Polizisten beobachten das Fanfest in Hannover.

Viele Fußballfans wollen es noch gar nicht wahrhaben: Die große WM-Party ist zu Ende. Vier Wochen lang lockten Fanfeste mit Spielübertragungen auf Videowänden die Massen an.

Das kollektive Feiern unter freiem Himmel mit internationalem Gemeinschaftsgefühl und Emotionen pur wurde zur festen Größe bei der Freizeitgestaltung im WM-Sommer 2006. Mehr als 20 Millionen Menschen strömten allein in die offiziellen Partyzonen an den zwölf Spielorten. Einige Städte denken schon an eine Neuauflage des Erfolgsmodells Fanmeile.

BERLIN: Deutschlands WM-Meile Nummer eins am Brandenburger Tor mit neun Millionen Fans soll aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) wieder entstehen, wenn Ereignisse «wieder die Massen bewegen». Vorstellbar sei, die Meile zur Fußball-EM 2008 neu zu beleben - zumindest, wenn die deutsche Elf spielt. Weiter geht die Berliner Party ohnehin: mit der Love Parade und dem Christopher's Street Day.

DORTMUND: «Es war grandios», sagte der WM-Beauftragte Gerd Kolbe. Rund eine Million Menschen strömten zum Fanfest in der Innenstadt und dem zweiten Standort in den Westfalenhallen. Dazu kamen kurzfristig eingerichtete Extraplätze wegen des großen Andrangs. Die Aufstellung von Großbildleinwänden zur EM sei «wünschenswert», hieß es.

FRANKFURT: Die beiden im Main verankerten Videoflächen waren eine Attraktion im Reigen der bundesweiten Fanfeste: Fast zwei Millionen Besucher ließen sich davon anziehen. Zu Spitzenspielen und auch zum Finale kamen jeweils bis zu 80 000 Zuschauer. Vor allem Engländer sprangen auch schon einmal in den Fluss, um sich abzukühlen.


GELSENKIRCHEN: Das Fanfest in der traditionsreichen Glückauf-Kampfbahn zog 350 000 Besucher an. Allein das dramatische Halbfinale Deutschland gegen Italien verfolgten 28 500 Leute. Oberbürgermeister Frank Baranowski (SPD) könnte sich eine ähnliche Veranstaltung auch zur EM 2008 in Österreich und der Schweiz vorstellen.

HAMBURG: Rund 1,5 Millionen Menschen strömten zum offiziellen Fanfest auf das Heiligengeistfeld. Etwa 280 000 Liter Bier flossen auf der größten WM-Party im Norden durch die Zapfhähne, 80 000 Würstchen wurden gegrillt. Bei Deutschland-Spielen mussten die Tore des Areals wegen des Andrangs mehr als einmal geschlossen werden.

HANNOVER: Rund 500 000 Menschen kamen zum zentralen Fanfest. Die Möglichkeit für tausende Fans, organisiert und kontrolliert zu feiern, habe sich bewährt, sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU). Er geht davon aus, dass das «Public Viewing» bei weiteren Welt- und Europameisterschaften fortgesetzt wird.

KAISERSLAUTERN: Deutschlands kleinste WM-Stadt (105 000 Einwohner) zog während des Turniers eine Million Menschen an und ist «schwer zufrieden», wie es beim WM-Büro hieß. Die Fußballanhänger verteilten sich auf das für 46 000 Menschen ausgelegte Stadion, eine WM-Meile und zwei Fanplätze.

KÖLN: Rund drei Millionen kamen zum gemeinsamen Mitfiebern auf die Fanfeste. Es habe so gut wie keine Probleme gegeben, bilanzierte die Stadt. Die Menschen hätten dabei auch Köln wiederentdeckt. Öffentliche Fußball-Übertragungen soll es «sicher wieder geben», eventuell schon bei der Fußball-EM.

LEIPZIG: Das Fanfest auf dem Augustusplatz zog mehr als 471 000 Besucher an - gehofft hatten die Macher zuvor auf 300 000. Neben Fußball begeisterten sich die Fans auch für andere Leckerbissen: Verspeist wurden mehr als 80 000 Bratwürste und mindestens 40 000 Steaks, dazu flossen 110 000 Liter Bier.

MÜNCHEN: In den Olympiapark kamen mehr als eine Million Fans zum Daumendrücken und Mitzittern - erwartet hatten die Veranstalter ursprünglich maximal 400 000. Das gute Wetter und der Erfolg des deutschen Teams hätten aber zum unverhofften Besucherstrom beigetragen. Alles sei ausgesprochen friedlich verlaufen, hieß es.

NÜRNBERG: Auf die beiden offiziellen Fanmeilen strömten 500 000 Fußballfreunde. Dazu kamen 80 000 Fans in den Fernsehbiergärten der Königstraße in der Altstadt. Die Atmosphäre: «Friedlich, fröhlich und weltoffen», hieß es bei der Stadt. Der größte Andrang herrschte bei Spielen der deutschen Elf und den fünf WM-Partien im Nürnberger Stadion.

STUTTGART: Auf dem Schlossplatz herrschte «Gänsehaut-Gefühl» bei insgesamt mehr als 1,5 Millionen Besuchern. Und auch den Termin für die erste Neuauflage in der Nach-WM-Zeit kündigte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster bereits an: Zum EM-Qualifikationsspiel Deutschland gegen Irland am 2. September soll es wieder ein Fanfest geben.

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