Medien-Karawane verlässt München
München (dpa) - 10.07.2006, 13:59 Uhr
Zwei Techniker stehen bei der Eröffnung des Medienzentrums im Master Control Room.
Die Bildschirme schwarz, die Studios verwaist: Das Fernsehzentrum der Fußball-WM in München hat ausgedient. Bereits am Tag nach dem WM-Finale hat sich das International Broadcasting Centre (IBC) auf dem Messegelände in eine Baustelle verwandelt. «Das IBC wird bis Monatsende in seine Einzelteile zerlegt», sagte Nicola Taylor von der Schweizer Firma HBS, die im Auftrag des Weltfußballverbands FIFA in den WM-Wochen die Verantwortung für das Fernsehzentrum trug. Zwischen Kisten und Koffern, voll gepackt mit Kulissen und Technik, verbreitet sich Abschiedsstimmung. «Es war ein schönes Arbeiten. Alles sehr gut organisiert», schwärmte Jorge Rodriguez vom mexikanischen Fernsehen. «Ein bisschen schade, dass es vorbei ist.» Mehr als 2000 Medien-Mitarbeiter aus über 60 Ländern sendeten für rund 100 TV- und Radiostationen die Bilder der WM über den Umweg München in alle Welt. Tausende Stunden Programm wurden produziert, rund um die Uhr lief der Sendebetrieb. Jetzt zieht die Medien- Karawane weiter. «In 48 Stunden sind alle weg», sagte Taylor.
Die erste Abreisewelle begann schon nach dem Achtelfinale. An der Studiotür des niederländischen Senders NOS klebte bereits kurz nach dem Aus des Oranje-Teams ein Schild mit der Aufschrift «Zimmer frei». So mancher war durchaus froh, die wegen der sensiblen Technik ständig auf 18 Grad gekühlten Hallen verlassen zu können. Fehlende Shopping-Möglichkeiten und das karge Freizeitangebot in der Umgebung der Messe ließen die Fernsehmacher gelegentlich verzweifeln. «Bei manchen spürte man schon Überdruss. Aber einen Lagerkoller hatten wir nicht», berichtete Silvan Lerch, Redakteur des Schweizer Fernsehens. Auf die Stimmung drückte auch eine Virus-Infektion, die sich rasant im Fernsehzentrum verbreitete. Mehr als 40 Patienten mit Brechdurchfall zählte das Gesundheitsamt der Stadt München binnen weniger Tage. «Vermutlich eingeschleppt. Falscher Ort, falsche Zeit», sagte ein Sprecher der Stadt. |