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RUMMENIGGES WM: Klinsmann-Stil braucht Förderer

Berlin (dpa) - 10.07.2006, 13:01 Uhr

Karl-Heinz Rummenigge ist von der deutschen Mannschaft begeistert.
Karl-Heinz Rummenigge ist von der deutschen Mannschaft begeistert.

Nach der großartigen Weltmeisterschaft bleiben zwei Wünsche: Erstens, dass diese überwältigende Stimmung der Fans in die Bundesliga einfließt, und zweitens, dass der ­ wenn ich es mal so nennen darf ­ Klinsmann-Stil mehr Förderer findet.

Klinsmann­Stil insofern: Mit Courage nach vorne zu spielen. Die Deutschen haben den mutigsten Fußball gespielt und sind von den Fans ehrlich belohnt worden. Sie haben begeistert und mitgerissen. Selbst als sich der angestrebte ganz große Erfolg nicht einstellte, fanden sie volle Akzeptanz bei den Anhängern. Auch weil die Mannschaft ihren Stil bis zum letzten Spiel mit Engagement und Motivation durchzog. Ich habe zum ersten Mal erlebt, dass das Match um Platz drei so seriös und ernsthaft angenommen wurde. Die Zuschauer belohnten die Spieler mit einer Feier, als hätten sie mehr gewonnen.

Nach dem Endspiel war wunderschön anzusehen ­ und nicht nur dort - wie italienische und französische Fans friedlich und miteinander feiernd aus dem Stadion abzogen. Nichts ist passiert. Das war nicht immer so. Alle ließen sich tragen von der friedlichen Stimmung, die über der ganzen WM hing und die für mich übrigens der größte Gewinn war. Ich würde mir wünschen, dieses neue Gefühl in die Bundesliga transportieren zu können, damit die Karte der Aggressivität nicht mehr so hoch gespielt wird. Mir ist klar, dass der FC Bayern in Hamburg und bei Schalke nicht geliebt wird. Aber der Fußball muss sich, bei aller sportlichen Rivalität, als Fest des Miteinanders und nicht des aggressiven Gegeneinanders verstehen.

Taktisch hat die WM nichts Neues gebracht. Wie auch? Als Profi weiß man heute doch, was in Afrika, Asien oder Südamerika gespielt wird. Die Welt des Fußballs ist transparent, da gibt es keine Überraschungen mehr. Erstaunlich vielleicht, dass zwei Mannschaften das Finale bestritten, die mit nur einem Stürmer agieren. Ich bevorzuge eindeutig das Spiel mit zwei Stürmern, weil sich so bedeutend mehr Druck aufbauen lässt. Für mich ist übrigens erstmals ein Abwehrstratege der Spieler des Turniers: Italiens Fabio Cannavaro. Einmalig, wie der seine Abwehr zusammengehalten hat.

Umso trauriger bin ich über den Abgang eines gigantischen Stars wie Zinédine Zidane. Ein Drama. In Berlin wurde auf der Tribüne weniger über Weltmeister Italien diskutiert als über Zidane. Egal was der Italiener zu ihm gesagt haben mag, im Fußball musst du damit fertig werden. Aber Zidane scheint in der Beziehung sehr labil zu sein. Mit dem Platzverweis kippte das Spiel, in dem die Franzosen vorher frischer wirkten. Das Finale schließlich mit einem Elfmeterschießen zu gewinnen, auch das ist eine Qualität. Zumal die Italiener bis dato als die großen Versager dieser Disziplin galten.


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