In zahlreichen italienischen Ristorante in und um Paris herrschte eine etwas angespannte Stimmung, stand doch oftmals ein italienischer Patron hinter dem Tresen, während französisches Personal bediente. Am Italien-Platz bejubelten italienische Wahlpariser ihre Mannschaft. Sowieso hatten nicht nur französische Fahnen die Kapitale geschmückt. Allein in Paris waren 3000 Polizisten im nächtlichen Einsatz, 1000 mehr als für das Halbfinalspiel gegen Portugal. Innenminister Nicolas Sarkozy wollte erneute schwere Ausschreitungen soweit möglich im Keim ersticken. In der Nacht zum Donnerstag hatte es nach dem Sieg über die Portugiesen fünf Unfalltote gegeben. Bei Auseinandersetzungen mit Steine werfenden Krawallmachern waren 45 Polizisten verletzt worden. Am Endspiel-Sonntag war in Paris der Verkauf von Alkohol untersagt, die Champs-Elysées wurden weiträumig für den Autoverkehr gesperrt. Fußball dient auch den Politikern, vor allem vor Wahlen. Zehn Monate vor der Präsidenten- und Parlamentswahl war also nicht nur Staatschef Jacques Chirac zum Finale in Berlin angereist, sondern auch die sozialistische Hoffnungsträgerin Ségolène Royal. Bevor er das Ergebnis von Berlin kennen konnte, hatte Chirac die «Bleus» für den 10. Juli zum Mittagessen in seinen Elysée-Palast eingeladen. Vor acht Jahren beim ersten WM-Titel der Multi-Kulti-Mannschaft hatte Zidanes Glanz ihm in den Umfragen einen zweistelligen Beliebtheitszuwachs eingebracht. Auch 2006 war die Equipe tricolore «black-blanc-beur» (schwarz-weiß-nordafrikanisch), doch sind seit dem ersten WM-Titel die Illusionen über eine erfolgreiche Integration im Land verflogen. Der französische Präsident hat Bewunderung für die Leistungen der «Bleus» bei der WM ausgedrückt und vor allem den scheidenden Zinédine Zidane gewürdigt. Im Endspiel gegen Italien seien die Franzosen ein Opfer des «Zufalls» geworden, meinte Chirac zu dem per Elfmeterschießen entschiedenden Finale. «Ich bin gleichzeitig glücklich und betrübt», doch habe die Equipe nicht wirklich Grund, enttäuscht zu sein. Chirac machte zudem seine Wertschätzung für Zidane deutlich, «der gleichzeitig die besten Werte des Sports verkörpert hat und die größten menschlichen Qualitäten, und der dem französischen Sport und ganz einfach Frankreich Ehre gebracht hat.» Der Superstar war im letzten Spiel seiner Karriere wegen einer Tätlichkeit gegen Marco Materazzi des Feldes verwiesen worden.
 |