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Franzosen tief enttäuscht und doch stolz

Paris (dpa) - 10.07.2006, 00:40 Uhr

Ein Französischer Fan verfolgt den Sieg des italiensichen Teams gegen Frankreich auf einem Fanfest.
Ein Französischer Fan verfolgt den Sieg des italiensichen Teams gegen Frankreich auf einem Fanfest.

Zutiefst enttäuscht haben Hunderttausende von Franzosen die Stadien, Plätze und Cafés verlassen, auf denen sie auf Großbildschirmen die Niederlage ihrer Equipe im Endspiel verfolgt hatten.

Auf den für den Verkehr gesperrten Champs-Elysées hatten sich Zehntausende von Fans während des Endspiels in Berlin versammelt. Die Niederlage ihrer Mannschaft quittierten sie mit einem einzigen lauten Schrei der Enttäuschung. Dessen ungeachtet feuerten andere ihre Feuerwerksraketen ab.

«Das war kein gutes Match, ich gehe nach Hause», meinte der konsternierte Bleus-Anhänger Michel. Am Pariser Italien-Platz feierten unterdessen italienische Wahlpariser den Sieg ihres Teams. In dem Pariser Stadion Charléty, in dem 35 000 das Elfmeter-Drama hatten sehen können, war es schon während des Spiels mehrfach zu Schlägereien zwischen jungen Krawallmachern und Ordnungskräften gekommen. Allein in Paris hatte Innenminister Nicolas Sarkozy 3000 Polizisten eingesetz, um Ausschreitungen nach dem Match einzudämmen.

Zu riesig war die Hoffnung gewesen, die Equipe tricolore um Zinédine Zidane werde nach ihrem schwachen Start den Traum noch wahr machen und den Weltmeistertitel bereits nach acht Jahren wieder an Frankreich zurückgeben. «Wir sind immerhin Zweiter», meinte ein Pariser Anhänger der Bleus stolz. Hatte doch vor Wochen noch kaum jemand auf diese Mannschaft gesetzt. Und dann hatte es die Elf um Zidane nicht zuletzt den Zweiflern im eigenen Land gezeigt.

«Noch eine Stufe und wir sind im Paradies», so hatte das Boulevardblatt «Le Parisien» noch die «Bleus» aus der Ferne angefeuert, alles zu geben, um den zweiten WM-Titel zu holen. Die Fans hatten in den Tagen zwischen Halbfinale und dem Endspiel rasch alle verfügbaren insgesamt 500 000 Trikots der Equipe tricolore aufgekauft und sich mit Nationalfahnen in allen Größen versorgt.


In zahlreichen italienischen Ristorante in und um Paris herrschte eine etwas angespannte Stimmung, stand doch oftmals ein italienischer Patron hinter dem Tresen, während französisches Personal bediente. Am Italien-Platz bejubelten italienische Wahlpariser ihre Mannschaft. Sowieso hatten nicht nur französische Fahnen die Kapitale geschmückt.

Allein in Paris waren 3000 Polizisten im nächtlichen Einsatz, 1000 mehr als für das Halbfinalspiel gegen Portugal. Innenminister Nicolas Sarkozy wollte erneute schwere Ausschreitungen soweit möglich im Keim ersticken. In der Nacht zum Donnerstag hatte es nach dem Sieg über die Portugiesen fünf Unfalltote gegeben. Bei Auseinandersetzungen mit Steine werfenden Krawallmachern waren 45 Polizisten verletzt worden. Am Endspiel-Sonntag war in Paris der Verkauf von Alkohol untersagt, die Champs-Elysées wurden weiträumig für den Autoverkehr gesperrt.

Fußball dient auch den Politikern, vor allem vor Wahlen. Zehn Monate vor der Präsidenten- und Parlamentswahl war also nicht nur Staatschef Jacques Chirac zum Finale in Berlin angereist, sondern auch die sozialistische Hoffnungsträgerin Ségolène Royal. Bevor er das Ergebnis von Berlin kennen konnte, hatte Chirac die «Bleus» für den 10. Juli zum Mittagessen in seinen Elysée-Palast eingeladen. Vor acht Jahren beim ersten WM-Titel der Multi-Kulti-Mannschaft hatte Zidanes Glanz ihm in den Umfragen einen zweistelligen Beliebtheitszuwachs eingebracht. Auch 2006 war die Equipe tricolore «black-blanc-beur» (schwarz-weiß-nordafrikanisch), doch sind seit dem ersten WM-Titel die Illusionen über eine erfolgreiche Integration im Land verflogen.

Der französische Präsident hat Bewunderung für die Leistungen der «Bleus» bei der WM ausgedrückt und vor allem den scheidenden Zinédine Zidane gewürdigt. Im Endspiel gegen Italien seien die Franzosen ein Opfer des «Zufalls» geworden, meinte Chirac zu dem per Elfmeterschießen entschiedenden Finale. «Ich bin gleichzeitig glücklich und betrübt», doch habe die Equipe nicht wirklich Grund, enttäuscht zu sein.

Chirac machte zudem seine Wertschätzung für Zidane deutlich, «der gleichzeitig die besten Werte des Sports verkörpert hat und die größten menschlichen Qualitäten, und der dem französischen Sport und ganz einfach Frankreich Ehre gebracht hat.» Der Superstar war im letzten Spiel seiner Karriere wegen einer Tätlichkeit gegen Marco Materazzi des Feldes verwiesen worden.

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