Berlin (dpa) - 09.07.2006, 13:48 Uhr
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Ein großes «Wohlfühlspiel», unverkrampft, perfekter und verdienter Abschluss eines rauschendes Turnier.
Nach dem 3:1-Sieg der deutschen Nationalelf über Portugal hat die internationale Presse nahezu einhellig in begeistertem Lob für die Klinsmann-Elf und die Stimmung um sie herum geschwelgt. «Diese junge deutsche Mannschaft hat das Zeug zu künftigen Meisterschaften», blickte die dänische «Jyllands-Posten» schon mal nach vorn. «The Daily Mail» in London notierte staunend eine Sympathiewelle sogar im eigenen Land: «Das war wahrscheinlich das erste Mal, dass eine Mehrheit von Engländern dafür war, dass Deutschland ein Fußballspiel gewinnt.»
Insgesamt verneigte sich die zu betont kritischen bis gehässigen Tönen gegenüber Fußball-Deutschland neigende Boulevardpresse von der Insel fast einträchtig vor den WM-Gastgebern. «Deutschlands letzter Tusch. Das war der Wohlfühlsieg, den die Deutschen nach diesem Turnier, in dem sie alle Erwartungen übertroffen hatten, so dringend gebraucht haben», schrieb der «Sunday Telegraph». «The Daily Mail» fand dann aber doch auch ganz fix zu gewohnten Denkmustern zurück und ortete den anhaltenden Frust wegen des eigenen Ausscheidens gegen Portugal als Grund für Sympathiewelle für «The Germans».
Nur ganz vereinzelt blitzte hier und da noch mal das alte Klischee vom angeblich ewig ideenlosen, dafür aber kraftmeierischen deutschen «Panzerfußball» wie im Schweizer «SonntagsBlick» auf. Aber das blieb die große Aufnahme. «La Nación» in Argentinien, dessen spielerisch überlegene Superelf im Viertelfinale auch von der Kampfkraft der Klinsmann-Elf niedergerungen worden war, hob anerkennend die spielerischen Seiten des Gastgeber-Erfolge heraus: «Deutschland hat ein großartiges WM-Turnier hingelegt. Aufrecht (...) und mit einem Lächeln hat sich die Mannschaft von ihren Fans verabschiedet.»
Eine «unverkrampfte, temporeiche Partie» in Stuttgart hatte die «Neue Zürcher Zeitung» gesehen. Mindestens so bemerkenswert wie spielerische Qualitäten fand «Olé» in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires sympathische Begleitumstände beim sonst so ungeliebten Spiel um den dritten Platz: «Bei jeder Aktion von Oliver Kahn gab es großen Applaus, und der Sieg wurde fröhlich gefeiert.»
Auch aus den Ländern der Endspiel-Gegner Frankreich und Italien kam einhelliges Lob für die Klinsmann-Elf. «Der ideale Abgang. Ein letztes Feuerwerk gegen Portugal. Einen besseren Schlussstrich konnte Deutschland nicht unter diese WM setzen», meinte «L'Equipe» in Paris. «Das 3:1 beweist, dass die Deutschen voll da sind und immer da sein werden», kommentierte das italienische Blatt «La Repubblica» und blickte in Gestalt von vier in Stuttgart gesichteten deutschen Fans auch schon in Richtung WM in Südafrika in vier Jahren: «Sie hatten sich verschiedene Jahreszahlen für deutsche WM-Titel auf die nackte Brust geschrieben: 1954, 1974, 1990 - und 2010.»