E wie Elf: Elf Minuten mussten reichen. Die Schlussfeier vor dem Finale Italien gegen Frankreich am Sonntag im Berliner Olympiastadion beschränkte sich auf den strikten poppigen Zeitrahmen von 19.35 bis 19.46 Uhr. Bühne für die WM-Schlussfeier: Die Tribünen beim Marathontor von 1936. F wie Fernsehen: Rekordquoten und Anerkennung für die Leistung. Die große Mehrheit der Deutschen ist mit der WM-Fernsehberichterstattung sehr zufrieden, ergab eine Umfrage. ARD, ZDF und RTL erhielten überwiegend gute Noten «für professionelle Arbeit». G wie Goleo: WM-Maskottchen «Goleo» hat sich doch noch zum Verkaufsschlager entwickelt. In den vergangenen vier Wochen ging der Löwe über eine Million Mal über den Ladentisch. Der Hersteller, die Nici AG, musste vor der WM Insolvenz anmelden und hat inzwischen 120 Arbeitsplätze abgebaut. H wie Hymnen: Auf den Fanfesten lautete die favorisierte Hymne der sangeslustigen Schlachtenbummler lange «Fii-naa-lee, oo-hooo!». Nach dem Halbfinal-K.o. der deutschen Nationalelf wurde aus dem auch gern angestimmten Song der Band Sportfreunde Stiller «'54, '74, '90, 2006» dann im Handumdrehen die neue Hoffnungsmelodie «'54, '74, '90, 2010». I wie Inventar: Das ist der Hammer: Das Auktionshaus Dechow versteigert in den kommenden Wochen Erinnerungsstücke an die WM. In sechs Städten werden Flaggen, Schilder und Möbel des OK angeboten. Das Auktionshaus hat im Internet bereits WM-Mobiliar zu Festpreisen meist an Großkunden verkauft. J wie Jobs: WM schafft Arbeit. Zur WM wurden 50 000 befristete Jobs in Tourismus und Gastgewerbe geschaffen. Gut die Hälfte wird nach Ansicht der Bundesregierung noch im kommenden Jahr Bestand haben. «Das ist ein gutes Signal für den Arbeitsmarkt», sagte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Ernst Hinsken (CSU). K wie Käfer: Jürgen Klinsmanns früheres VW-Cabrio war beim Internet- Auktionshaus Ebay zumindest vorübergehend ein Verkaufsschlager. Für den 1967 erstmals zugelassenen Oldtimer wurden zunächst über 300 000 Euro geboten. Nachdem dieses Gebot gestrichen wurde, fiel der Preis aber dramatisch. Nach Angaben eines Ebay-Sprechers ist der Käfer im Besitz eines Mannes aus Böblingen. L wie Lyrik: Das war auch eine WM der Liniendichter. Zu jedem Spiel verfasste der Poesie-Automat des Kunst- und Kulturprogramms zur FIFA WM 2006 ein Stück Lyrik. «11 Meter von München nach Berlin!» So hieß das Gedicht nach Frankreichs 1:0-Halbfinalsieg über Portugal. Torschütze: Zidane mit Elfmeter. M wie Mädchen: Die jungen Mädchen haben es gebracht. Die große Zahl junger, weiblicher Fans ist nach Ansicht des Sportsoziologen Michael Klein ein Grund für die friedlich verlaufene WM. «Mädchen sind für Fangruppen schon immer ein Puffer gegen Gewalt.» In den Fanmeilen stellten die Frauen fast die Hälfte der Zuschauer. «Das hat selbstredend Auswirkungen auf die Stimmung.» N wie Nachspielzeit: Ein Tor nach der berühmten 90. Minute entzündete erst so richtig die riesige Begeisterung rund um die deutsche Elf: Als «Ergänzungsspieler» Oliver Neuville im zweiten Gruppenspiel gegen Polen Sekunden vor dem Schlusspfiff das 1:0 erzielte und damit den Weg ins Achtelfinale ebnete, waren Millionen Fans selig wie selten. Es blieb eine Liebesbeziehung bis zum Turnierende. O wie Organisationskomitee: Das OK zog unter Leitung der deutschen Fußball-Lichtgestalt schlechthin, Franz Beckenbauer, neben der FIFA die Fäden bei der WM. Nach jahrelanger Kleinarbeit konnte das Gremium schon während des Turniers zufrieden bilanzieren: «Großartig» und «vorzüglich» sei das alles gewesen. Von der überraschenden Hochzeit des «Kaisers» während der WM bekam aber auch im OK niemand etwas mit. P wie Public Viewing: Das gemeinsame Mitfiebern beim öffentlichen Fußballgucken auf großen Videowänden wurde zum Massenphänomen. Wie magnetisiert strömten bunt kostümierte Fans auf die abgesperrten Plätze. Rund 15 Millionen waren es allein auf den offiziellen Festen des Weltverbands FIFA in den zwölf Spielorten. Q wie Quartier: Dort, wo die WM-Mannschaften in Deutschland Quartier gemacht hatten, da waren meist auch die Spielerfrauen nicht weit. Und sie kauften und kauften. Popsängerin Cheryl Tweedy, die mit Englands Verteidiger Ashley Cole liiert ist, lästerte: «Es geht nur darum, wer die beste Uhr, die beste Handtasche und die beste Frisur hat.» R wie Retourkutsche: Kabarettist Dieter Hildebrandt kann mit dem Stolz, ein Deutscher zu sein, wenig anfangen. «Ich bin stolz auf eine Äußerung von Franz Beckenbauer, der gesagt hat, jeder solle sich gelegentlich in einen Hubschrauber setzen so wie er, dann wüsste er, wie schön Deutschland ist. (...) Ich würde sagen: Patriotismus heißt Beckenbauer.» S wie Sicherheit: Die WM war sicher. Kaum prügelnde Hooligans, keine massenhafte Zwangsprostitution, keine Horden von Taschendieben. Und kein Terrorismus. «Wir haben in wunderbarer Weise erlebt, dass Fröhlichkeit und Sicherheit nicht Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig bedingen», sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. T wie Teamgeist: «Teamgeist» war nicht nur der WM-Ball. Er war ein «Symbol für die deutsche Ingenieurskunst», sagt Hersteller Adidas. U wie Unternehmen: Von der Drogerie bis zum DAX-Konzern hofften Unternehmen auf einen Kick für die Kauflaune - und ihren Anteil am WM-Geschäft. Am Ende ist die Bilanz gemischt. Während Brauereien oder Fanartikel-Hersteller meist prächtig verdienten, waren andere Läden leerer. Hochfliegende Träume von einem Aufschwung im Zeichen der WM hatten Experten schon vorher gedämpft. V wie Völkerfreundschaft: Die WM beeindruckte auch international. Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete sie als «großes Fest der Völkerfreundschaft» mit nachhaltiger Wirkung für das Bild Deutschlands im Ausland. Viele der rund zwei Millionen ausländischen WM-Besucher «fahren mit guten Erinnerungen nach Hause». W wie Wunderheiler: Jürgen Klinsmann. So viel Lob ist auf einen Deutschen lange nicht mehr niedergeprasselt, die Kanzlerin hätte ihn fast auf die Schulter geküsst. Gotthilf Fischer, Leiter der «Fischer- Chöre», schmetterte: «Dieser Klinsmann ist ein Wunderheiler. Es ist unglaublich, was er nicht nur mit der Mannschaft gemacht, sondern einem ganzen Volk gegeben hat.» X wie XXXL: Zum 3. Platz der Deutschen formulierte sich der Poesie- Automat noch einmal in eine neue Dimension: Klinsmänner sagen Danke. Die große Schweinsteigerung! 3 Tore - Platz 3! Deutschland im Fußballhimmel! Y wie Yves: So hieß das Wetter-Hoch, das pünktlich zum Beginn der K.o.-Runde für Superwetter sorgte. Schon in der Vorrunde war die Sonne «zu Gast bei Freunden». Trockener, sonniger und wärmer als üblich - so lautet das Gesamt-WM-Fazit der Meteorologen. Es fiel nur gut die Hälfte des sonst üblichen Niederschlags, und die Sonne schien mit 265 Stunden nahezu ein Drittel länger. Z wie Züge: Die Züge waren voll. Die Fußball-WM hat der Bahn mehr zusätzliche Kunden beschert als erwartet. In den Zügen von der S-Bahn bis zum ICE wurden während des Turniers rund 15 Millionen Fahrgäste befördert. Das waren fünf Millionen mehr als ursprünglich angenommen. Grund: Der enorme Andrang auf die Fanfeste.
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