Von Enttäuschung über den Halbfinal-K.o. gegen Italien war bei der Rückkehr in die Heimatstadt des Bundestrainers nichts mehr zu spüren. Dabei könnte das 34. Länderspiel zugleich Klinsmanns letztes gewesen sein. Nach ihrem knapp vierwöchigen Triumphzug durch die WM-Stadien in München, Dortmund und Berlin gelang es der radikal umformierten deutschen Mannschaft beim letzten Auftritt, die Anhängerschaft noch einmal mit erfrischendem Offensivfußball mitzureißen. Zum Matchwinner für das deutsche Team wurde ausgerechnet Schweinsteiger, von dem 55 Minuten lang so gut wie nichts zu sehen gewesen war. Doch dann brachte er die «Klinsmänner» mit zwei knallharten Schüssen, die wie eine Kopie waren, auf die Siegerstraße. Dabei waren die Voraussetzungen für ein gutes Spiel alles andere als günstig, denn die Liste der Ausfälle mit Ballack, Arne Friedrich, Per Mertesacker und Tim Borowski wurde kurz vor Beginn der Partie um Robert Huth erweitert. Der England-Legionär, der Mertesacker ersetzen sollte, verletzte sich beim Warmmachen und musste seinen Platz in der Innenverteidigung an Jens Nowotny abtreten. Der Leverkusener WM- Debütant machte seine Sache im Deckungszentrum aber ebenso gut wie der Gladbacher Marcell Jansen, der es bei seinem Turnier-Einstand auf der linken Abwehrseite meist mit Cristiano Ronaldo zu tun hatte. Doch obwohl mit Christoph Metzelder in der Defensive nur eine Stammkraft übrig geblieben war, hatte Kahn zunächst nur wenige Gelegenheiten sich auszuzeichnen. Glänzend auf dem Posten war der 37-Jährige, als die Abwehr Pauleta einen Moment lang aus den Augen ließ (15.). Im übrigen unterstrichen die überraschend ohne Luis Figo beginnenden Portugiesen, dass ihnen die Durchschlagskraft im Abschluss fehlt. Der Alt-Star wurde erst kurz vor Schluss zu seinem Abschieds-Länderspiel eingewechselt und schlug die Flanke zum Anschlusstor. Als großer Gewinn erwies sich die Rückkehr von Torsten Frings ins Mittelfeld. Der im Halbfinale gesperrte Bremer war in einer von beiden Teams mit viel Tempo und großem Einsatz geführten Partie ein unermüdlicher Ankurbler. Ihm kaum nach stand Sebastian Kehl, der jede Gelegenheit nutzte, um sich in die Offensive einzuschalten und dabei auch den Abschluss suchte. Lukas Podolski wurde dagegen der Auszeichnung als bester junger Spieler des Turniers diesmal nicht gerecht. Klose war häufig nur durch Fouls zu stoppen, letztlich aber bei allem Engagement ohne Schussglück. Nach 65 Minuten machte der Bremer für Oliver Neuville Platz. Am Ende kamen auch noch Mike Hanke und Thomas Hitzlsperger zu ihrem WM-Einstand. Damit kamen bis auf Torhüter Timo Hildebrand alle deutsche Akteure zum Einsatz. Elf Minuten nach Wiederbeginn sorgte ein «Flatterball» von Schweinsteiger für die beruhigende Führung der deutschen Elf, die nicht mehr so viel Souveränität ausstrahlte wie zuvor. Der Münchner zog aus 25 Metern ab und erwischte Ricardo dabei auf dem falschen Fuß. Wenig später war der 21-Jährige mit einem knallharten Freistoß, den Petit ins eigene Tor abfälschte, auch Wegbereiter des 2:0. Im direkten Gegenzug verhinderte Kahn mit einer Parade gegen Deco das Anschlusstor, ehe wiederum Schweinsteiger Maß nahm.
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