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Ansehen Deutschlands ist durch WM gewachsen

Berlin (dpa) - 08.07.2006, 17:09 Uhr

Unbefangene Feiern in den Nationalfarben haben die WM geprägt.
Unbefangene Feiern in den Nationalfarben haben die WM geprägt.

Das weltweite Ansehen Deutschlands ist nach Ansicht führender Politiker durch den Erfolg der Fußball-WM erheblich gewachsen. Zugleich sei der unbefangene Umgang mit den nationalen Symbolen als Schritt in die Normalität anzusehen, hieß es in mehreren Interviews.

«So ein positives Image hat unser Land selten gehabt», sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) der Zeitung «Bild am Sonntag». Die WM-Partys in Schwarz-Rot-Gold wollte er nicht als neues Phänomen werten. «Befangenheit im Umgang mit Fahne und Hymne empfinden vielleicht Funktionäre der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die normalen Menschen aber schon lange nicht mehr», sagte der Minister. Es handele sich um «die selbstverständliche Identifizierung mit dem eigenen Land».

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) würdigte die Fußball-WM als «großes Fest der Völkerfreundschaft» mit nachhaltiger Wirkung für das Bild Deutschlands im Ausland gewürdigt. Er sagte dem Hörfunkdienst dpa/RUFA in Berlin, bei seinen Kontakten mit ausländischen Politikern habe er Begeisterung und Schulterklopfen als Reaktion auf das vierwöchige Großereignis erlebt. Deutschland werde im Vergleich zu früher als sympathischer und humorvoller empfunden.

Der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sieht die neue Begeisterung der Deutschen für ihr Land ebenfalls positiv. «Wir erleben in diesen WM-Tagen einen neuen Patriotismus. Er ist multikulturell, weltoffen und trägt ein starkes Woodstock-Element in sich», sagte Fischer dem Magazin «Der Spiegel». Man dürfe diesen neuen Patriotismus aber «nicht zum Anlass nehmen zu erklären, jetzt seien auch die schrecklichen Teile unserer Geschichte erledigt».

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass bezeichnete es als ein «wunderbares Nebenprodukt» der Fußball-WM, dass die Deutschen «auf eine sehr einfallsreiche Art und Weise Flagge gezeigt» haben. Die Fröhlichkeit, mit der Hunderttausende Menschen die schwarz-rot- goldene Fahne schwenkten, sei «unverkrampft» gewesen, sagte Grass der «Süddeutschen Zeitung». Er hoffe jetzt, «dass sich die Politiker im Nachhinein zurückhalten, nicht auf dieser Welle mitreiten und das Ganze zu etwas stilisieren, was es nicht sein kann und nicht sein wollte».

Der Kabarettist Dieter Hildebrandt sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag» zur Patriotismus-Debatte, er wünsche sich nun, dass die Fahnen erst zur Fußball-Europameisterschaft 2008 wieder herausgeholt werden. Mit dem Stolz, ein Deutscher zu sein, könne er wenig anfangen. «Warum sollte ich? Ich bin doch nicht dafür verantwortlich, ein Deutscher zu sein. Ich bin stolz auf eine Äußerung von Franz Beckenbauer, der gesagt hat, jeder solle sich gelegentlich in einen Hubschrauber setzen so wie er, dann wüsste er, wie schön Deutschland ist. (...) Ich würde sagen: Patriotismus heißt Beckenbauer.»


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