Den 7. April wird Kahn trotzdem niemals vergessen und Klinsmann wohl auch niemals verzeihen. Damals hatte der Bundestrainer dem ehemaligen Kapitän die größte Enttäuschung seiner Karriere zugefügt, als er sich nach zwei Jahren Torwart-Streit für Lehmann als WM-Torhüter entschied. Klinsmann sah sich durch Lehmanns Leistungen absolut bestätigt: «Jens ist für mich der Torhüter der WM.» Viele rechneten damals mit Kahns Rücktritt, doch dieser konterte Klinsmann nur drei Tage später mit der bemerkenswerten Ankündigung, auch als Nummer 2 mitfahren zu wollen. «Es geht nicht um Oliver Kahn oder persönliche Belange, es geht um etwas viel Größeres, die WM in Deutschland», sagte der ehrgeizige Kahn - und alle staunten. Das Staunen ging weiter, im Trainingslager und während der WM. Klinsmann hatte kein Hehl aus seiner Skepsis gemacht, ob Kahn die Rolle als Motivator in der zweiten Reihe erfüllen könnte. «Er ist vom Typ her keine Nummer 2», bemerkte der Bundestrainer damals. Kahn hat's geschafft, allen gezeigt und sein Image in der Öffentlichkeit gewandelt. Einfach war das aber nicht. «Ich bin auch nur ein Mensch», bat er etwa um Nachsicht dafür, dass er nach Siegen nicht mit auf dem Rasen jubelte, sondern in die Katakomben flüchtete. Der Frage nach einem möglichen Rücktritt nach dem 86. Länderspiel ging Kahn im Vorfeld aus dem Weg. Dem Mann, der 2002 kurz vor dem Titelgewinn strauchelte, bleibt auf der Zielgeraden seiner großen Karriere nur das «kleine Finale» gegen die Portugiesen. Ausgerechnet Portugal! Vor sechs Jahren bedeutete das 0:3 gegen ein portugiesisches «B-Team» bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden das Vorrunden-Aus bei seinem ersten großen Turnier als Nummer 1. 2004 schied er bei der EM-Endrunde in Portugal bei seinem letzten Championat als Nummer 1 wiederum kläglich in der Vorrunde aus. Ein kleiner Erfolg aber bleibt Kahn: Mit dem Spiel steht es nach WM-Einsätzen 8:6 für ihn im Vergleich mit Lehmann.
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