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Ausverkaufte WM: 20 Millionen Euro Überschuss

Berlin (dpa) - 07.07.2006, 12:57 Uhr

Fast alle WM-Partien fanden vor ausverkauften Tribünen statt.
Fast alle WM-Partien fanden vor ausverkauften Tribünen statt.

Der Schwarzmarkt blüht, auch ohne deutsches Team stehen die Tickets für das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin weiter hoch im Kurs. Beim Internetanbieter ebay gingen zwei Final-Tickets für die Kategorie 3 für 4500 Euro über den virtuellen «Ladentisch».

Dutzende Händler boten noch Tickets zu stark überhöhten Preisen über das Internetportal an. Allerdings mussten Anbieter, die für zwei Karten 7800 Euro bei Sofort-Kauf verlangten, noch auf zahlungskräftige Bieter warten.

Zufrieden können die Organisatoren schon vor den beiden letzten WM-Spielen feststellen, dass die Tickets für alle 64 WM-Spiele nahezu vergriffen waren. «Wir waren fast ausverkauft: Da spielt es doch keine Rolle, ob wir nun 99,987 Prozent aller Karten verkauft haben», zog der Vizepräsident des Organisationskomitees, Horst R. Schmidt, eine überaus zufrieden stellende Bilanz. 200 Millionen Euro Erlös waren bei einer kalkulierten Auslastung der Stadien von 95 Prozent in mit 430 Millionen kalkulierten WM-Etat eingestellt, rund 20 Millionen Euro werden nunmehr als Überschuss erwirtschaftet.

Mit der fast 100-prozentigen Auslastung und einem Schnitt von über 51 000 Zuschauern haben die Titelkämpfe in Deutschland eine bisher in der 76-jährigen WM-Geschichte noch nie erlebte Resonanz gefunden. Nur 1994 in den USA, als die Stadion-Kapazitäten bedeutend höher waren, wurden mit 68 000 Fans im Schnitt noch höhere Besucherzahlen registriert. «Wir sind nicht nur froh, dass wir alle Tickets verkauft haben, sondern auch, dass es kaum freie Plätze in den Stadien gab. Damit haben wir eine Antwort auf alle Skeptiker gegeben», meinte Schmidt und reagierte auf kritische Stimmen im Vorfeld, wonach auf Grund der hohen Ticketzahlen für Sponsoren auch in Deutschland große Teile der Tribünen leer bleiben würden.

Im «Tagesspiegel» räumte Schmidt ein, dass es trotz der Personalisierung der Tickets einen florierenden Schwarzmarkt gegeben habe. «Dass Karten früher oder später auf dem Schwarzmarkt landen, ist systemimmanent. Es gibt viele Quellen, aus denen sich Profihändler bedienen. Wer entsprechend viel Geld bezahlt, kriegt jede Karte. Unser System hat trotzdem funktioniert», behauptet Schmidt. Immerhin seien 240 000 der 260 000 Besteller von Optionstickets noch in die Stadien gekommen. «Das Wartelisten-Programm waren ein großer Erfolg, obwohl es hart kritisiert wurde», fügte er hinzu.


Erst tags zuvor hatte der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) das Ticketsystem nochmals angefochten und die mangelnde Sicherheit beklagt. «Von einem intakten Sicherheitssystem kann nicht die Rede sein. Das Sicherheitssystem ist gescheitert», sagte der stellvertretende BDK-Bundesvorsitzende Bernd Carstensen in der «Süddeutschen Zeitung». Der Kriminologe bezog sich vor allem auf die aus seiner Sicht mangelhaften Eingangskontrollen. Der Versuch von Bundesinnenministerium und WM-OK, den Schwarzmarkt mittels der strikten Personalisierung aller Tickets auszuschalten und dadurch «sicherzustellen, dass keine Personen mit unlauteren Absichten in die Stadien gelangen», sei «ad absurdum geführt worden», sagte Carstensen. Sein Urteil begründete er mit der Beobachtung, dass die per Chip auf den Karten gespeicherten Personalien so gut wie nie mit den Ausweispapieren des Kartenbesitzers abgeglichen wurden.

Unabhängig von dieser beobachteten Praxis kündigte Horst R. Schmidt an, dass die Drehkreuze in den Stadien künftig zum Standard der Bundesliga gehören werden. Ob der Weltverband, der ab 2010 über eine Agentur wieder selbst den Ticket-Verkauf übernimmt, das System der Deutschen beibehält, sei noch offen. «Mit der FIFA gab es ein zähes Ringen ums Ticketing. In Zürich hatte man nicht daran gedacht, die Federführung an die deutschen Organisatoren abzugeben», verwies er auf das Bestreben der FIFA, die Hoheit über ihre Kartenkontingente zu behalten. «Und natürlich war mir klar, dass die FIFA immer das letzte Wort hat. Unter diesen Voraussetzungen war unsere Chip- Technologie mit dem möglichen Datenabgleich der personengebundenen Tickets ein Wagnis», räumte Schmidt ein.

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