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Wirtschaft mit gemischter WM-Bilanz

Berlin (dpa) - 07.07.2006, 10:52 Uhr

Die Verkäufer von WM-Souvenirs durften sich über großen Absatz freuen.
Die Verkäufer von WM-Souvenirs durften sich über großen Absatz freuen.

Aus den ersten Schaufenstern und Werbeprospekten sind Bälle und Nationaltrikots schon wieder verschwunden. Denn das Turnier der weltbesten Kicker war auch für die Wirtschaft ein vier Wochen langer Ausnahmezustand.

Von der Drogerie bis zum DAX-Konzern hofften Unternehmen quer durch alle Branchen auf einen Kick für die Kauflaune - und ihren Anteil am WM-Geschäft. Am Ende ist die Bilanz gemischt - während Brauereien oder Fanartikel-Hersteller meist prächtig verdienten, waren andere Läden leerer. Manche Firmen setzen ohnehin eher auf langfristige Effekte. Hochfliegende Träume von einem Aufschwung im Zeichen der WM hatten Experten schon vorher gedämpft.

Das überraschend gute Abschneiden der deutschen Elf ließ T-Shirt-Verkäufer und Fahnenfabrikanten mitjubeln. Beim Handel sorgten die Nachmittagsspiele des DFB-Teams dagegen für wenig Begeisterung: Zum Shoppen kam dann kaum jemand. Die Branchen Unterhaltungselektronik, Sportartikel und Lebensmittel hätten aber profitiert, heißt es beim Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

Für andere Waren wie Haushaltsgeräte brachte die WM jedoch wie erwartet keine Impulse oder dämpfte gar das Geschäft. Der Handel insgesamt rechnet dennoch weiter mit zwei Milliarden Euro Mehrumsatz durch die WM - obwohl die teils bis in den späten Abend verlängerten Öffnungszeiten meist eher zögerlich angenommen wurden.

Zu Siegern riefen sich weit vor dem Endspiel bereits die großen Sportartikel-Hersteller aus, die zur WM ein massives Werbefeuerwerk zündeten. Sponsor Adidas verkaufte den offiziellen Spielball über 15 Millionen Mal, vom deutschen Nationaltrikot gingen 1,5 Millionen Stück weg - bei der WM 2002 war es eine Viertelmillion.


Klingelnde Kassen gab es auch bei den Verkaufsständen auf den Fanmeilen, die den Fußgängerzonen vorübergehend den Rang als 1-a-Lagen abliefen. Beim Riesenandrang der Fußballgemeinde floss Bier in Strömen, Grillwürste und Party-Accessoires in Schwarz-Rot-Gold waren heiß begehrt. Große Kinoketten guckten dagegen in die Röhre, weil Besucher wegblieben.

Im Gastgewerbe gab es Licht und Schatten. Zahlreiche Kneipen und Biergärten waren an Spieltagen rappelvoll, wenn sie Großleinwände aufstellten. Die hohen Erwartungen der Hotellerie an den Spielorten auf ausgebuchte Häuser gleich zum Turnierbeginn erfüllten sich jedoch meist nicht. Insgesamt habe das Reiseland Deutschland aber gepunktet, betont die Deutsche Zentrale für Tourismus. Mindestens zwei Millionen ausländische Besucher kamen ins Land und damit doppelt so viele wie erwartet. Busse, Bahnen und Flugzeuge hatten Hochbetrieb. Rund 15 Millionen WM-Fahrgäste zählte die Bahn, bei der Lufthansa waren es über 200 000 Passagiere mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bei manchen Firmen ist es für ein Fazit unterdessen noch zu früh. Während Hersteller von Flachbildfernsehern lange vor dem Turnier den Großteil ihres Geschäfts einfuhren, beginnt für andere erst jetzt die Zeit des Erntens. Konzerne mit millionenteuren Werbelizenzen müssen darauf hoffen, dass sich ihr Einsatz auszahlt - nach einem TV-Spot in der Halbzeit kauft niemand ein Auto. In Vorstandsetagen kursieren schon erste Marktforschungsstudien, wie stark die Bekanntheit und das Ansehen von Marken und Produkten bis zum Finale gestiegen sind.

Einen kräftigen Konjunkturschub für den Standort D sehen Ökonomen indes nicht. «Wie erwartet, hat es leider kein Wirtschaftswunder auf Grund der WM gegeben», sagt Dirk Ulbricht vom Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung. Ob das Spektakel am Ende wirklich ganz ohne Effekte bleibt, wie es das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierte, muss sich aber noch zeigen.

Im Kleinen können sich Kunden schon ausrechnen, was ihnen die WM brachte - bei Sonderaktionen der Wirtschaft: Manche Sparer erhalten jetzt Extrazinsen für jede Runde, die Deutschland weiterkam. Wer sich ein bestimmtes Fernsehgerät kaufte, kriegt pro DFB-Treffer 10 Euro zurück. Als wenig lukrativ entpuppte sich dagegen das Angebot eines Handydiscounters, der mit Freiminuten für Tore gegen Holland lockte: Das Oranje-Team schied im Achtelfinale aus - mit ganzen zwei Gegentreffern

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