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Finale der Verlierer - Lehmann: Platz 3 wertvoll

Berlin (dpa) - 06.07.2006, 14:07 Uhr

Für Jens Lehmann hat auch das «kleine Finale» seine Bedeutung.
Für Jens Lehmann hat auch das «kleine Finale» seine Bedeutung.

Duell der Enttäuschten, Finale der Verlierer, Spiel um die «Goldene Ananas» - über den Sinn der Begegnung im Schatten des WM-Endspiels wird seit Jahrzehnten heftig gestritten.

Schließlich entpuppte sich das Spiel um Platz drei bei Fußball-Weltmeisterschaften doch häufig als Langweiler ohne hohen Erinnerungswert. Das soll bei der Partie zwischen Gastgeber Deutschland und Portugal in Stuttgart anders sein. «Der dritte Platz ist bei Olympia auch eine Menge wert. Das Spiel gehört halt dazu. Die Abschaffung steht gar nicht im Raum», unterstrich Nationaltorwart Jens Lehmann in Berlin die Bedeutung des Platzierungsspiels. Und auch Torjäger Miroslav Klose will einen positiven Abschluss: «Dritter ist besser als Vierter.»

Schon drei Mal in der WM-Historie spielte Deutschland als Halbfinal-Verlierer um Platz drei. Zwei Mal reichte die Kraft noch zu einer erfolgreichen Abschiedsvorstellung, 1958 in Schweden gab es im Platzierungsspiel gegen Frankreich dagegen eine 3:6-Abfuhr. Fast immer schlug im kleinen Finale die Stunde der Reservisten.

Vor dem Duell gegen Österreich am 7. Juni 1934 war Reichstrainer Otto Nerz das Personal ausgegangen. Um gegen den favorisierten Nachbarn eine schlagkräftige Truppe zu stellen, wurde der Aachener Reinhold Münzenberg sogar aus dem «Abrufkader» kurzfristig nach Neapel beordert, wo sich bei Spielbeginn nur 7000 Zuschauer auf den Stadionrängen verloren. Sie sahen das schnellste deutsche WM-Tor, das Ernst Lehner nach nur 25 Sekunden gelang. Noch einmal Lehner und Edmund Conen erzielten die weiteren Treffer zum 3:2. Johann Horvath und Karl Sesta trafen für das Austria-Team, das den verletzten Spielmacher Matthias Sindelar nicht gleichwertig ersetzen konnte.

24 Jahre später war die personelle Situation im deutschen Lager nach der 1:3-Niederlage im WM-Halbfinale gegen Gastgeber Schweden noch schlechter. Im Platzierungsspiel gegen Frankreich fehlte Erich Juskowiak wegen seines Platzverweises. Fritz Walter, Uwe Seeler und Fritz Herkenrath waren angeschlagen, Horst Eckel außer Form. So verhalf Sepp Herberger am 28. Juni in Göteborg gegen die französische Torfabrik Heinz Wewers, Hans Cieslarczyk und Alfred Kelbassa zum WM-Debüt. Als Torwart kam Heinrich Kwiatkowski zum Zuge, der vier Jahre zuvor beim 3:8-Debakel gegen Ungarn zwischen den Pfosten gestanden hatte. Und wieder flogen dem Dortmunder die Bälle nur so um die Ohren: Beim 3:6 schraubte Just Fontaine mit vier Toren seine Treffer-Quote auf bis heute unerreichte 13 in einem Turnier. Cieslarczyk, Helmut Rahn und Hans Schäfer trafen für Deutschland.

Nach den beiden 120-minütigen Fußball-«Schlachten» gegen England und Italien war im Spiel um Platz drei am 20. Juni 1970 in Mexiko-Stadt gegen Uruguay buchstäblich die Luft raus. Helmut Schön ersetzte Sepp Maier im Tor durch Horst Wolter, Bernd Patzke und Wolfgang Weber kehrten in die Startelf zurück, der Bremer Max Lorenz feierte als Einwechselspieler WM-Premiere. Obwohl Gerd Müller zum ersten Mal im Turnier kein Tor gelang, reichte es zu einem 1:0-Sieg. Der Kölner Wolfgang Overath überwand den überragenden Ladislao Mazurkiewicz in der 27. Minute. Nach der Partie drehten die ausgepumpten deutschen Spieler mit einer riesigen mexikanischen Fahne eine Ehrenrunde und bedankten sich auf diese Weise für die Unterstützung des Publikums.


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