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Portugal stolz trotz Niederlage im Halbfinale

Madrid/Lissabon (dpa) - 06.07.2006, 13:13 Uhr

Portugiesische Fans sind nach der Niederlage gegen Frankreich sichtlich traurig.
Portugiesische Fans sind nach der Niederlage gegen Frankreich sichtlich traurig.

Es wirkte wie ein schlechtes Omen: Während Tausende Menschen in Castelo Branco im Osten Portugals vor einer Riesenleinwand die Partie gegen Frankreich verfolgten, fiel plötzlich der Strom aus.

Hektisch rannten die Zuschauer in die Kneipen der Umgebung oder scharten sich um die in der Gegend geparkten Autos, um das Spiel im Radio zu verfolgen. Der Schock kam dann über Mittelwelle. Wie überall sonst im Lande herrschte plötzlich Totenstille, viele Tränen flossen. Doch der Enttäuschung folgte die Resignation und dann ein Gefühl des Stolzes, bei der WM so weit gekommen zu sein. «Verlieren ist halt Teil des Lebens, heute war das Glück eben nicht auf unserer Seite», meinte eine junge Frau.

«Weine nicht, Portugal!», titelte in großen Lettern das Sportblatt «A Bola». Das Halbfinale erreicht zu haben, sei für das kleine Land bereits «eine Heldentat» gewesen, nur den Besten sei dies überhaupt vorbehalten. Damit sprach die Zeitung vielen aus der Seele. Figo, Deco, Maniche, Ricardo, Cristiano Ronaldo und Co. sei nichts vorzuwerfen, und «Felipão», wie sie den brasilianischen Trainer Luiz Felipe Scolari nennen, schon gar nicht.

«Wir sind erhobenen Hauptes geschlagen worden und haben uns einen Ehrenplatz bei dieser WM verdient», meinte auch Portugals Verbandschef Gilberto Madaíl. Kein Wunder also, dass trotz der Niederlage einige Fans mit der Landesflagge auf die Straße zogen, und manches Hupkonzert gab es auch.

«Der Blitz soll die Franzosen treffen!», meinte ein Zehnjähriger in Lissabon, um im nächsten Augenblick freudestrahlend für die «Seleçao» zu jubeln. Gewiss, nicht wenige schimpften über den Schiedsrichter und empfanden den Elfmeter als Fehlentscheidung. Aber schließlich, meinten viele, könne Portugal in der Partie gegen Deutschland noch WM-Dritter werden und damit das historische Ergebnis von 1966, damals mit Eusébio, wiederholen. «Dies ist jetzt schon (fast) eine Pflicht», forderte die Zeitung «Público». So sieht es auch Scolari: «Unsere Melancholie sollten wir hinter uns lassen, denn noch haben wir ein wichtiges Ziel vor Augen!»


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