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Jubelnde Franzosen sehen die Götter auf ihrer Seite

Paris (dpa) - 06.07.2006, 11:25 Uhr

In Paris wurde überschwänglich gefeiert - leider nicht ohne Zwischenfälle.
In Paris wurde überschwänglich gefeiert - leider nicht ohne Zwischenfälle.

Freudentaumel auf den Champs-Elysées bis tief in die Nacht. Hupkonzerte überall in Paris. Feuerwerkskörper zischen in den Himmel, und Knallfrösche schrecken die wenigen Fußballmuffel in ihren Betten auf.

«Wir sind im Finale! Am Sonntag in Berlin!» Siegestrunken und ausgelassen feiert Frankreich den Einzug ins WM-Endspiel nach dem mühsam erkämpften Sieg über die Portugiesen: Eine Stimmung des Glücks und des Jubels, getragen von der ziemlich unverhofften Überraschung, die ihnen die Equipe tricolore um Zinédine Zidane bereitet hat. Und nun träumen die Franzosen von einem zweiten WM-Titel in acht Jahren.

«Fabelhaft!» Die Morgenzeitungen überschlagen sich in ihren Schlagzeilen, und das Boulevardblatt «France Soir» bringt es auf den Punkt: «Die Götter sind auf unserer Seite.» Denn auf einen Einzug ins Finale hätte noch in der WM-Vorrunde wohl kaum ein Franzose sein Geld gesetzt. Also hatte der Götterkreis die «Bleus» zuerst einmal auf die Probe gestellt: Sie mussten sich durch die Qualifikation quälen und mit einer mickerigen Leistung in die WM starten, bevor Magier Zidane sie mit dem Elfmetertor ganz hoch in den Fußballhimmel katapultieren durfte. Und Balsam auf die zur Depression neigende französische Seele salbte: «Ein Frankreich, das spielt und siegt, ist wirklich schön», so schwelgte der «Parisien»: «Davon können wir nicht genug kriegen!»

Folgenschwere Unfälle und einige Scharmützel zwischen jungen Krawallmachern und der Polizei überschatteten den Siegestaumel. An der Pariser Metrostation Opéra im Herzen der Stadt starb ein Fan, der auf das Dach eines Zuges gestiegen war und auf die Schienen stürzte. In Lyon tauchte ein Mann nicht mehr aus der Saône auf, der die Wette erfüllte, bei einem Sieg der Franzosen von einer Brücke in den Fluss zu springen. Durch einen Motorradunfall wurden in Paris fünf Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. In Paris, Lyon und Marseille setzte die verstärkte Polizei Tränengas gegen randalierende Jugendliche ein.

Unterdessen ging das Fest der 500 000 jubelnden Fans in der Hauptstadt weiter. «Wir kommen, Italien kann schon mal einen Bammel kriegen», skandieren sie auf der Prachtavenue Champs-Elysées nahe dem Triumphbogen. Mehr als 22 Millionen hatten gebannt vor den Fernsehern gesessen - ein Rekord seit Beginn der Messungen von Einschaltquoten 1989, unerreicht während der WM 1998 in Frankreich und der EM 2000.


Als der politisch stark angeschlagene Premierminister Dominique de Villepin - ausnahmsweise strahlend - die Hoffnung äußerte, die Equipe tricolore werde jetzt in Berlin noch den Titel holen, dürfte auch im Elysée-Palast Schampus geflossen sein. Denn Staatspräsident Jacques Chirac kann den blauen Glanz in seiner äußerst mühevollen Endzeit als Staatschef wirklich gut gebrauchen. Dank des WM-Titels 1998 legten er und sein damaliger Premierminister Lionel Jospin zweistellig in den Umfragen zu. Keine Frage also, dass Chirac am Sonntag in Berlin ist.

«I will survive» von Gloria Gaynor, die Siegeshymne der «Bleus» vom Juli 1998, ertönt wieder. Erst mit dem formidablen Sieg über die Spanier im Achtelfinale sind auch die Fans aufgewacht. Jetzt soll der Erfolg über die Portugiesen nur die Generalprobe für das letzte Match der WM in Deutschland gewesen sein. Trainer Raymond Domenech, zuvor lange Zielscheibe frustrierter Fans und Spieler, ist bereits vor dem Endspiel rehabilitiert, der Champagner für Sonntagabend kaltgestellt.

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