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Euphorie in Dortmund vorbei - Italiener im Rausch

Dortmund (dpa) - 05.07.2006, 16:29 Uhr

Auch in Berlin feierten italienische Fans bis in die Morgenstunden.
Auch in Berlin feierten italienische Fans bis in die Morgenstunden.

«Ohne Holland fahr'n wir nach Stuttgart» und «Stuttgart ist viel schöner als Berlin» sangen die deutschen Fans in Dortmund trotzig nach der 0:2-Niederlage gegen Italien. Am Tag nach dem Spiel war die Euphorie jäh vorbei.

Nur wenig zeugte bei hochsommerlichem Sonnenschein noch vom Jubelrausch der Italiener und der Enttäuschung vieler deutscher Fans in der Nacht zuvor. Im Stadion, das den Nimbus als «deutsche Festung» einbüßte, hatte schon in der Nacht der Umbau begonnen. Dort war die Nationalelf zuvor in 14 Länderspielen unbesiegt geblieben.

Während Dutzende Italiener in der Nacht in einer Polonaise über den Friedensplatz zogen und «We are the champions» sangen, strömten die Deutschen zunächst mit versteinerten Minen schleunigst von den Fan-Festen in die Kneipen oder zum Bahnhof. «Jetzt muss ich erstmal ein Bier trinken, oder auch zwei oder drei», sagte Axel Weigert. Fassungslos hatte er kurz zuvor das Gesicht bei den beiden Toren der Italiener in seiner schwarz-rot-goldenen Fahne vergraben.

Stunden später freilich feierten Deutsche und Italiener zu Tausenden doch noch fröhlich - zumeist nebeneinander, die Italiener einen Tick lauter. Ihre anfängliche Niedergeschlagenheit schienen viele deutsche Fans jedenfalls schnell überwunden zu haben.

Gut eine Viertelmillion Fans hatte im Stadion, Kneipen oder bei den öffentlichen Übertragungen in Dortmund das Spiel verfolgt. «Auf geht's, Deutschland schießt ein Tor», hatten sie bis zuletzt ihre Mannschaft angefeuert, doch das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann erhörte sie nicht.


Bis in den Morgen feierten viele Italiener in Dortmund den Sieg ihres Teams. «Ich bin so stolz. Italien hat so gut gespielt», jubelte die Italienerin Sandra (22) aus Iserlohn. «Ich kann es noch gar nicht glauben», sagte Michael Pongartz im blauen T-Shirt der «Squadra Azzurra»: «Aber richtig gefeiert wird erst am Sonntag» - zum Finale in Berlin.

«Nach der WM ist vor der EM», trösteten sich viele Fans in der Westfalenmetropole mit Blick auf die Europameisterschaft 2008. «Die Dortmunder können die Leistung der anderen anerkennen», sagte der städtische WM-Beauftragte Gerd Kolbe: «Eine Mannschaft gewinnt, eine verliert - aber der Sieger ist der Fußball.»

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