Berlin (dpa) - 05.07.2006, 13:15 Uhr
«Wir sind nur ein Bockwurstlieferant» hallte es in den Stunden nach dem 0:2-Schock gegen Italien mehr oder weniger melodisch durch Berliner Straßen.
So wie man vorher die Schweden aus dem Ikea-Land singend als «Möbellieferant», die Argentinier als »Rindfleischlieferant» und die Italiener als «Pizzalieferant» bespöttelt hatte, wurde nun die Beatles-Melodie «Yellow Submarine» selbstironisch gewendet. Das Lied in Dur klang viel sonniger als dumpfe «Deutschland»- und «Sieg, Sieg, Sieg»-Kaskaden.
Das fröhliche Super-Event WM wollten sich auch anderswo deutsche Fußballfans und Partyfreunde nicht durch die eine Niederlage kurz vor dem ersehnten Finale verderben lassen. «Berlin, Berlin, wir pfeifen auf Berlin», sangen sie in München als gut gelaunte und etwas trotzige Antwort auf «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin»-Rufe mit unüberhörbar italienischem Akzent.
In Dortmund skandierten die Fans kurzentschlossen «Stuttgart ist viel schöner als Berlin» und versuchten damit vielleicht auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann aufzubauen, nachdem dieser tieftraurig die Motivierung seiner Mannschaft für das undankbare Spiel um den dritten Platz in seiner schwäbischen Heimatstadt als «natürlich nicht so einfach» dargestellt hatte.
Aus mehreren Fanmeilen wurde der gesanglich schwierige Versuch gemeldet, die bisherige Hymne «Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin» umzudichten in «Stuttgart, Stuttgart, wir fahren nach Stuttgart». Als einfacher erwies es sich, die abendlichen Sieger aus dem Land von Pasta, Pizza und Prosecco ein bisschen mit «Wir essen nur noch Döner» zu pieken. In Wiesbaden verkündete ein älterer Fan auf dem trostlosen Heimweg vom gemeinsamen Fußballgucken («Public Viewing») lachend seine persönliche Strategie zur Trauerbewältigung: «Jetzt gibt es vier Jahre keine Pizza mehr.» Dann ist die nächste WM in Südafrika.