Dunkler könnten die Wolken am Fußball-Himmel gar nicht sein, der Mega-Skandal vergällt den Siegestaumel: «Der verrückteste Tag», kommentiert die römische Zeitung «La Repubblica»: Die ersten zehn Seiten widmet das Blatt dem Fußball - nicht dem Sieg in Dortmund, sondern dem Skandal in Rom. Der Sieg von Dortmund kommt erst danach. Schon kursieren Gerüchte, der Marktwert der Star-Spieler aus den angeklagten Vereinen sei ins Trudeln geraten. Ausgerechnet die besten Spieler der «Squadra Azzurra» kommen vom Hauptangeklagten «Juve»: Super-Torwart Gianluigi Buffon, Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro, Mauro Camoranesi. Die Folgen für den italienischen Vereinsfußball sind nicht absehbar. «Addio ihr alten Träume, eine ganze Epoche geht zu Ende», meint ein Kommentator. Freud und Leid liegen derzeit bei den «Azzurri» wie bei den Tifosi nahe beieinander. Von Anfang an stand die WM für Italien unter diesem ganz besondern Stern: Man will den Skandal zu Hause vergessen machen, sozusagen eine Ehrenrettung für den italienischen Fußball erreichen. Trainer Marcello Lippi nennt das so: «Wir haben den Enthusiasmus unseres Landes wieder erweckt.» Und Überhaupt: Die Zeit ist überreif für einen italienischen Titelgewinn. Ob WM oder EM - seit Jahrzehnten haben die Italiener vor allem Pannen und Pleiten erlebt. Bei der WM 2002 schieden sie viel zu früh gegen Südkorea aus; der Abgang wurde fast als nationale Schande empfunden. Zwei Jahre später, bei der EM in Portugal, kamen sie nicht über die Vorrunde hinaus. Den letzten großen Titel holte die Nationalmannschaft bei der WM 1982 - der Finalgegner hieß damals übrigens Deutschland. Marco, der Mann aus der römischen Cafébar, hat in Erwartung weiteren Fußball-Glücks schon mal etwas Deutsch gelernt, sein erster ganzer Satz in einer Fremdsprache heißt: «Wir fahren nach Berlin.» Allzu begeistert haben Italienische KFOR-Friedenssoldaten im Kosovo in der Nacht den Sieg ihrer Mannschaft gefeiert. Die im nördlichen Dorf Bici stationierten Italiener gaben Freudenschüsse aus ihren Waffen ab und verursachten dadurch Panik bei den dort lebenden Serben. Diese vermuteten, dass es sich um einen Angriff «albanischer Extremisten» handelte, meldete die Belgrader Nachrichtenagentur Tanjug.
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