dpa: Ihr mutiges Ziel war der Titel, das haben Sie verpasst. Empfinden Sie dennoch Zufriedenheit? Klinsmann: «Im Sport stellt man sich immer wieder das nächste Ziel. Wenn man ein Halbfinale verliert, ist die Enttäuschung erst einmal groß. Die Spieler und wir Trainer brauchen ein wenig Zeit. Dann geht es weiter. Am Samstag wollen wir wieder eine ordentliche Partie machen, wieder Tempo machen und das Publikum mitziehen. Die Bilanz wird dann in aller Ruhe in der nächsten Woche erfolgen.» dpa: Können Sie überhaupt schon an dieses Spiel um Platz 3 denken? Klinsmann: «Die Enttäuschung ist natürlich sehr, sehr groß. Es tut weh, wenn man kurz vor dem Schluss so einen K.o.-Stoß bekommt. Gleich in der Kabine aber habe ich der Mannschaft gesagt, sie kann riesig stolz auf sich sein, sie hat Riesiges geleistet in den letzten Wochen bei dieser WM. Man muss nun die Jungs wieder aufrichten. Sie sind immer an ihre Grenzen gegangen - auch heute. Und die Mannschaft hat Charakter. Wir werden das mit Anstand zu Ende bringen.» dpa: Welche Entwicklung sagen Sie dieser jungen Mannschaft voraus? Klinsmann: «Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt, dass Spieler heranwachsen, die ungeheures Potenzial haben, um im Weltfußball auf sich aufmerksam zu machen. Das schönste Kompliment ist, dass wieder große ausländische Clubs Interesse haben an unseren Spielern. Es stimmt einfach zuversichtlich zu sehen, in welch kurzer Zeit sie welche Schritte gemacht haben. Da muss uns nicht bange sein in Deutschland. Der Entwicklungsprozess hat ja erst angefangen, er geht ja noch viel weiter. » dpa: Werden Sie weiter diesen Prozess als Bundestrainer leiten? Klinsmann: «Es ist absolut unwichtig, was mit meiner Person passiert. Ich werde die Weltmeisterschaft erst einmal ein paar Tage sacken lassen, alles mit meiner Familie besprechen. Es ist viel passiert in den letzten zwei Jahren, da muss man erst einmal durchschnaufen. Ich habe zwei Jahre lang die volle Energie reingelegt und an nichts anderes gedacht als den Finaleinzug.» dpa: Selbst Franz Beckenbauer möchte jetzt, dass Sie weitermachen. Klinsmann: «Diese WM war ein großer Erfolg für die Mannschaft und ganz Deutschland. Wir haben der Welt ein anderes Gesicht von Deutschland gezeigt. Da spielt meine Person überhaupt keine Rolle. Es ist wichtig, dass die Mannschaft etwas Fantastisches gezeigt hat, dass ihr das allergrößte Kompliment gebührt. Dass sie mit Tempofußball und totaler Leidenschaft überzeugt hat. Dass sie gezeigt hat, sie kann mit den Besten der Welt mithalten. Deshalb reden wir von der Mannschaft und nicht von meiner Person.»
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